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Das Begleitbuch zum Rheinischen Sagenweg
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Die Emser Depesche

„Im Herzen des Flüssedreiecks Rhein, Mosel und Lahn erstreckt sich eine der schönsten Urlaubs- und Ferienregionen Deutschlands: das Lahntal. Und inmitten dieser Landschaftspoesie liegt der traditionsreiche Kurort Bad Ems. Er gehört zu den ältesten Badeorten in Europa und gilt heute als idealer Standort für Fitness- und Vitalitätstraining sowie für Privatkuren mit ambulanten Heilbehandlungen.“ Diese Nachricht ist der Informationsbroschüre des Heilbades Bad Ems entnommen, und sie ist – darauf sei an dieser Stelle in aller diplomatischen Form hingewiesen – ungekürzt! Denn wer weiß, welche weltpolitischen Auswirkungen es diesmal zur Folge hätte, wenn erneut eine Nachricht aus Bad Ems verkürzt wiedergegeben würde? Dabei hat alles, was den Beinamen „Emser“ trägt, im Grunde nur Gutes zur Folge, insbesondere für die Gesundheit. Vor allem das Emser Salz bzw. die „Emser Pillen“ und das „Emser Kränchen“ haben den weit verbreiteten, guten Ruf der Stadt als Heilbad für Katarrh und Asthma begründet. Darüber hinaus haben die einzigartigen und erholsamen Kur-, Freizeit- und Wellnessangebote das geschichtsträchtige und idyllische Heilbad an der Lahn so bekannt gemacht, dass man einen Aufenthalt hier kurz gefasst auch einfach nur mit „Emsen“ bezeichnen könnte. Eine Nachricht aus Bad Ems hatte jedoch keine guten Folgen: Sie führte 1870 zum Deutsch-Französischen Krieg und ist in die Weltgeschichte als „Emser Depesche“ eingegangen. Wie es dazu gekommen ist, wird im Folgenden berichtet.

 

Eine Schlüsselrolle in den Ereignissen um die Emser Depesche nahm Otto von Bismarck ein, der von 1862 bis 1890 wesentlich die Geschicke der preußischen und und später der reichsdeutschen Politik bestimmte. Er war im Zuge des „Preußischen Verfassungskonflikts“ an die Macht gekommen, welcher sich von der anfänglichen Diskussion um eine Heeresreform zu einer Machtfrage zwischen Wilhelm I. von Hohenzollern als Staatsoberhaupt und dem Abgeordnetenhaus, das von Liberalen dominiert wurde, entwickelt hatte. Bismarck setzte ab 1862 einen die Krone stärkenden Weg durch, indem er zunächst gegen und ohne das Parlament regierte – und durch seine Außenpolitik von dem Konflikt ablenkte. Und die stand für Bismarck vor allem unter dem Zeichen, Preußens Rolle in der Rivalität mit Österreich zu stärken und auszubauen. Dabei ging es lange Zeit um die Frage der Vorherrschaft im Deutschen Bund. Dieser Bund war ein loser Zusammenschluss aller deutschen Einzelstaaten, in dem immer wieder auch die Frage eines gesamtdeutschen Bundesstaates verhandelt wurde. Bismarck lehnte eine solche großdeutsche Lösung jedoch entschieden ab und ließ 1863 auch einen entsprechenden Vorschlag Österreichs zu Fall bringen, da er einen Machtverlust Preußens fürchtete. Über den nicht abklingenden Auseinandersetzungen zwischen den beiden Großmächten zerbrach der Deutsche Bund 1866, und es kam zum so genannten Deutschen Krieg. Preußen errang den Sieg über Österreich, und 1867 wurde der Norddeutsche Bund gegründet, ein Staatenbund aller deutschen Länder nördlich der Mainlinie und der Vorläufer des Deutschen Reiches von 1871. Lediglich Baden, Bayern und Württemberg sowie Österreich gehörten nicht dazu – Preußen hatte ihre Unabhängigkeit auf Drängen der Franzosen anerkennen müssen. 1869/70 begannen dann die entscheidenden politischen Entwicklungen: Erbprinz Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen – aus der katholischen, in Schwaben regierenden Linie der Hohenzollern – wurde die spanische Krone angeboten. Bismarck drängte darauf, sie anzunehmen, insbesondere, um Bündnisverhandlungen Frankreichs mit Österreich zu gefährden. Doch Kaiser Napoleon III. legte energischen Protest ein: Er befürchtete für den Fall der Thronbesteigung die Einkreisung Frankreichs durch preußische/deutsche Fürsten von Osten und von Süden her. Und er erreichte tatsächlich, dass Wilhelm I. den Erbprinzen zum Verzicht auf die Kandidatur veranlassen konnte. Doch Napoleon gab sich damit noch nicht zufrieden. Er wollte eine Demütigung Preußens und verlangte eine bindende Verzichtserklärung für alle Zeiten. Diese Forderung erreichte den preußischen König just zu der Zeit, als er sich zur Kur in Bad Ems aufhielt. Der französische Gesandte Vincent Benedetti überbrachte ihm die Botschaft des Kaisers, doch Wilhelm I., der gerade am Ufer der Lahn promenierte, lehnte es ab, eine solche Garantie zu unterzeichnen. Heinrich Abeken verfasste daraufhin am 13. Juli 1870 den Bericht über die Unterredung und telegrafierte ihn nach Berlin. Während der König es im Original bestimmt, aber höflich abgelehnt hatte, Benedetti nochmals zu empfangen, da sich eine weitere Unterredung über die französische Forderung vorerst erübrigt habe, verschickte Bismarck am folgenden Tag eine durch Streichungen bewusst verschärfte Fassung, die dann als „Emser Depesche“ in die Geschichte einging: „… Seine Majestät der König hat es darauf abgelehnt, den französischen Botschafter nochmals zu empfangen, und demselben durch den Adjutanten vom Dienst sagen lassen, daß Seine Majestät dem Botschafter nichts weiter mitzuteilen habe.“So formuliert, stellte diese Depesche eine ernste Brüskierung Frankreichs und die Niederlage seiner Diplomatie dar – und Frankreich antwortete am 19. Juli 1870 mit einer Kriegserklärung an Preußen. Alle deutschen Bündnisstaaten schlossen sich daraufhin Preußen an, und so begann, ausgelöst durch die „Emser Depesche“, der Deutsch-Französische Krieg. An seinem Ende standen die Niederlage Frankreichs und die Gründung des Deutschen Reichs, das am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal von Versailles proklamiert wurde – mit dem preußischen König als Staatsoberhaupt Kaiser Wilhelm I..

 




Wissenswertes

Es war am 13. Juli 1870, kurz nach 9 Uhr, als es auf der Kurpromenade in Bad Ems zu der Begegnung kam, die die europäische Geschichte bedeutend beeinflussen sollte und damit der Kurstadt einen ewigen Platz in den Geschichtsbüchern verschafft hat. Dort weist heute der „Benedetti-Stein“ am Lahnufer auf dieses denkwürdige Ereignis hin.






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Rheinische Sagen & Geschichten

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Gebundene Ausgabe:  19,95 Euro, ISBN 3-7616-1986-3

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