|
Der kleine Bade- und Weinort Bad Hönningen am Mittelrhein zwischen Bonn und Koblenz ist geprägt von seinen sonnigen Weinbergen, von ausgedehnten Wäldern und dem Heilwasser der Thermalquellen. Die schmucken Fachwerkhäuser, die romantischen Gassen und das kleine Heimatmuseum im „Hohen Haus“, dem ältesten Haus (1438) der Stadt mit vielen liebevoll gesammelten Raritäten, geben Zeugnis von vergangenen Zeiten. Eingebettet in Weinberge liegt Schloss Arenfels, hinter dessen imposanter Fassade sich eine bewegte, Jahrhunderte währende Baugeschichte verbirgt, die von einem der großen Baumeister des 19. Jahrhunderts geprägt wurde: Ernst Friedrich Zwirner. Sein Name verbindet sich wie kein anderer mit dem Bau, dem Erhalt und der Restaurierung von Schlössern, Gebäuden, Denkmälern und damit vielen Sehenswürdigkeiten entlang des ersten Abschnitts des „Rheinischen Sagenwegs“. Dazu gehören neben Schloss Arenfels die Burg Ariendorf (1846), der Kölner Dom, die Apollinariskirche, der Rolandsbogen und Schloss Marienfels in Remagen. Mit der folgenden Geschichte über die „Zerstörung“ von Schloss Arenfels sei diesem großen Baumeister daher hier ein Denkmal gesetzt.
Ernst Friedrich Zwirner wurde am 28. Februar 1802 in Jakobswalde (Oberschlesien) geboren. Bis 1821 besuchte er die Bauschule in Breslau, anschließend bis 1828 die königliche Bauakademie und die Universität zu Berlin. Nicht lange danach trat der Schüler Schinkels als Hilfsarbeiter in die königliche Oberbaudeputation ein. Während er anfangs noch mehr dem klassizistischen Stil nahe stand, zeigte sich Zwirner später bei seinen eigenen Bauten dann als Vertreter eines neugotischen Historismus. 1833 wurde er mit der Aufgabe betraut, die Kölner Dombauleitung zu übernehmen. Ein besonderes Verdienst erwarb er sich durch die Organisation der Dombauhütte, aus der viele talentierte, mit den Grundregeln der Gotik engstens vertraute Bauleute hervorgingen. 1853 wurde Zwirner vom preußischen König Friedrich Wilhelm IV. zum Geheimen Regierungs- und Baurat ernannt. Bis zu seinem Tode blieb Zwirner Dombaumeister von Köln, und die Kathedrale wurde in der Folge auch nach seinen Plänen vollendet. Anlässlich seines Todes am 22. September 1861 in Köln erschien das Domblatt, die Vereinszeitschrift des Dombauvereins, mit schwarzer Umrandung der Titelseite – eine Ehre, die außer Zwirner zuvor nur dem im selben Jahr verstorbenen König Friedrich Wilhelm IV. zuteil geworden war. Ende der 1840er Jahre hatte Zwirner den Auftrag übernommen, für den neuen Besitzer von Schloss Arenfels einige Umbauarbeiten vorzunehmen. Arenfels war ursprünglich eine Burg gewesen, die 1259 von Gerlach von Isenburg direkt auf den Felsen gebaut worden war. Nach Nordwesten hin von einem tief abfallenden Graben geschützt, war die Nordost- und die Ostseite des Wehrbaus durch den starken und gut gelegenen Burgfried gesichert, der der Lage nach bis heute unverändert erhalten geblieben ist. Im Innenhof der Burg befand sich ein Ziehbrunnen, der bis auf den Grundwasserspiegel des Rheins hinabreichte, was bei Belagerungen ein nicht zu unterschätzender Vorteil war. Im 17. Jahrhundert war die Burg mit beachtlichem Aufwand zu einem dreiflügeligen Schloss umgestaltet worden und in den Besitz der gräflichen Familie von der Leyen übergegangen, der es als bevorzugter Sommersitz diente. 1673 wurde Arenfels für kurze Zeit von Turrenne, dem großen General Ludwigs XIV., besetzt. Auch nach dem Wiener Kongress 1814/15 blieb Arenfels im Besitz der von der Leyens, aber der damalige Besitzer war mittlerweile so stark verschuldet, dass der Bau nach und nach zerfiel. 1848 erwarben nun Graf Friedrich Ludolf von Westerholt und seine vermögende Frau Johanna Charlé, eine Holländerin, das Schloss für 90.000 Thaler. Graf Friedrich Ludolf hatte zunächst eigentlich nur kleine Veränderungen vornehmen wollen, als er für sein Vorhaben den berühmten Baumeister gewinnen konnte. Doch Zwirner hatte auf Arenfels Großes vor: Er war von der Vorstellung beseelt, neben dem Kölner Dom noch an anderer Stelle im Rheinland ein monumentales Bauwerk zu schaffen. Und so trieb er den Umbau Stück für Stück zielbewusst in seinem Sinne voran, und es gelang ihm, gestärkt durch seine Reputation im Amt des Dombaumeisters, den Grafen jeweils aufs Neue von seinem Handeln zu überzeugen. Dabei legte er dem Schlossherrn, der in baugeschichtlicher Hinsicht ein Laie war, allerdings immer nur Teilpläne, niemals sein Gesamtkonzept vor. Der Umbau begann mit dem Ost- und Mittelflügel, und Zwirner versah die ehemals prächtige Fassade mit neogotischen Giebeln. Anschließend wurde ein Turm errichtet: ein kolossales Bauwerk mit einem Spitzkegeldach. Graf Fritz erkannte den stilistischen Frevel und wollte das gesamte Vorhaben stoppen. Aber Zwirner konnte ihn erneut überzeugen und vergotisierte nun auch den Westgiebel. Nur der Nordwestflügel blieb in seiner alten Form erhalten. Die Innenausstattung wurde ebenfalls prunkvoll erneuert, erwähnenswert ist vor allem das Treppenhaus im Ostflügel: eine gusseiserne Treppe über drei Etagen, ein Meisterwerk der Gießkunst der Sayner Hütte. Was zuerst nur kleine Veränderungen werden sollten, gipfelte in einem gigantischen Umbau, der aus dem Renaissanceschloss einen Bau der Neugotik gemacht hatte. Über die Kosten war offenbar nur selten gesprochen worden, eine Tatsache, die sich später zu einem Dilemma entwickelte, da aus den veranschlagten 30.000 Thalern am Ende Baukosten von 135.000 Thalern zu Buche schlugen. Doch Zwirner hatte auf diese Weise jenes monumentale Kunstwerk geschaffen, das in seiner Vollendung rheinauf und rheinab seinesgleichen sucht. Es waren am Ende der Umbauarbeiten jedoch nicht nur die Baukosten, die den Schlossherrn grämten. Für ihn war vor allem ein wunderbares, harmonisches Bauwerk verloren gegangen. Graf Friedrich wird in diesem Zusammenhang mit dem Ausspruch zitiert: „Um das unwiederbringlich zerstörte Renaissanceschloss wird es schade sein! Nur dass viele Kunst-Banausen das Schloss schön finden, gibt mir etwas Trost.“ Aber machen Sie sich, liebe Besucher des „Rheinischen Sagenwegs“, doch ein eigenes Bild davon, ob Sie die Meinung des Grafen teilen!
|