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Das Begleitbuch zum Rheinischen Sagenweg
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Auf den Spuren des historischen Dr. Faust

„Vorhang auf für Dr. Faust“, ertönte es bereits 1588, nachdem der Engländer Christopher Marlowe die erste Schauspielfassung des berühmten Stoffes, „Die Tragische Geschichte vom Leben und Tod des Doktor Faustus“, geschaffen hatte. Wandernde Schau- und Puppenspielertruppen zogen von da mit dem Stück durch Europa, und es folgte eine wahre Flut von Adaptionen. Auch der junge Goethe wurde durch ein Puppenspiel zu seinem Lebenswerk inspiriert. Seit kurzem kann man den „Faust“ auch in Bad Kreuznach im neu eingerichteten Museum für PuppentheaterKultur erleben. Auf 1500 Quadratmetern Fläche hat die Stadt in einem alten Hofgut – dem ehemaligen Rittergut Bangert und heutigen Schlossparkmuseum, eingebettet in die traumhaft schöne Umgebung des dazugehörigen Parks – ein zeitgemäßes Museum inklusive Theater und Puppenwerkstatt geschaffen. Aber nicht nur auf der Bühne, sondern auch in der mittelalterlichen Bad Kreuznacher „Neustadt“ mit ihren wunderschönen alten Fachwerkhäusern hat der sagenumwobene Dr. Faust historisch überlieferte Spuren hinterlassen.

 

Johann Georg Sabellicus Faust, auch der „Schwarzkünstler“ genannt, soll um 1480 im baden-württembergische Knittlingen, vielleicht aber auch in Helmstedt bei Heidelberg, geboren worden sein. Angeblich hat er den Titel eines Magisters der Philosophie erworben, sicher ist auf jeden Fall, dass er als Magier ein unstetes Wanderleben geführt hat. Dies war zu der damaligen Zeit keinesfalls unüblich. Magier, die sich mit Alchimie, Wunderheilungen, Astrologie und allerlei sonstigen „Geheimwissenschaften“ ihr Brot verdienten, unterhielten die Menschen in allen Teilen des Landes. Faust tingelte von Jahrmarkt zu Jahrmarkt, vollführte dort Zauberkunststücke und inszenierte effektvolle Schauspiele, die den Menschen seiner Zeit wie Wunder vorkamen und ihm beim Volke Ruhm und Sympathie einbrachte. Sowohl Zeitgenossen als auch die Nachwelt sagten ihm außergewöhnliche Kenntnisse in der Medizin und in Geheimwissenschaften nach. Von den meisten Gelehrten wurde er jedoch verachtet und als Scharlatan abgetan. Er soll die Fähigkeit besessen haben, Menschen durch seinen Redefluss vollkommen in den Bann zu ziehen, weswegen man ihm heute auch ein Talent zur Hypnose nachsagt. Im Aberglauben aller Volksschichten wurde Unbekanntes mystifiziert und insbesondere die Ausübung der „Schwarzen Kunst“ mit dem Teufel und der Hexerei in Verbindung gebracht. Daher war Faust vielen gebildeten Zeitgenossen, darunter Luther, nicht geheuer, und er wurde auch als Zauberer und Verbündeter des Teufels bezichtigt. Wie die meisten seiner „Kollegen“ hielt sich Faust nie für längere Zeit an einem festen Ort auf. Nicht zuletzt, weil sich immer wieder Menschen auch von ihm geprellt fühlten und die rechtzeitige Flucht dann häufig der einzige Ausweg war. So verwundert es nicht, dass Faust ein weitgereister Mann war. Es gibt Berichte von Aufenthalten und Wirken in Gelnhausen, Erfurt, Bamberg, von einer Ausweisung in Ingolstadt und anschließenden weiteren Aufenthalten in Nürnberg, der Kölner Gegend sowie Würzburg. Das letzte Zeugnis aus seinem Leben ist eine Inschrift an der Fassade des Gasthauses „Löwen“ in Staufen im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald in Baden-Württemberg. Auf ihr wird davon berichtet, dass Faust 1539 hier ums Leben gekommen sei. Er soll damals als Goldmacher bei dem hoch verschuldeten Burgherrn Anton von Staufen angestellt gewesen sein. Im Jahr 1507 hatte Johann Georg Sabellicus Faust nun auch in Bad Kreuznach gelebt. Dass dies der historischen Wirklichkeit entspricht, belegt ein zeitgenössischer Brief des Abtes Johannes Trithemius von Sponheim. Dieses Schreiben ist eine der wenigen Quellen, die beweisen, dass Faust wirklich gelebt hat und die Sage um ihn tatsächlich einen geschichtlichen Kern birgt. Vermutlich hatte der Reichsritter Franz von Sickingen, der auf der nur fünf Kilometer entfernten Ebernburg residierte, den Alchimisten Faust nach Bad Kreuznach geholt. Denn Faust hatte erklärt, dass er „ganz gewaltiger Dinge“ fähig sei und „in der Alchimie von allen, die je gewesen, der Vollkommenste sei und wisse und könne, was nur die Leute wünschten“. Das beeindruckte Franz von Sickingen, der neugierig auf mystische Dinge war und offen für alle neue Gedanken, Weltanschauungen – und die Magie, die damals von der Wissenschaft noch nicht getrennt war. Abt Johannes Trithemius vom benachbarten Kloster Sponheim hingegen ließ in einem Brief vom 20. August 1507 an seinen Freund, den Mathematiker und Hofastrologen Johann Virdung in Heidelberg, kein gutes Haar an dem neuen Rektor. „In den Fasten dieses Jahres kam er nach Kreuznach, wo er sich in gleicher großsprecherischer Weise ganz gewaltiger Dinge rühmte ... Jener Mensch ... , Georg Sabellicus, ... ist ein Landstreicher, leerer Schwätzer und betrügerischer Strolch, würdig ausgepeitscht zu werden, damit er nicht ferner mehr öffentlich verabscheuungswürdige und der heiligen Kirche feindliche Dinge zu lehren wage.“ Er maße sich Titel an, die zeigten, dass er ein Narr und kein Philosoph sei, wie zum Beispiel „Magister Georg Sabellicus, Faust der Jüngere, Quellbrunn der Nekromanten (Schwarzkünstler), Astrolog, Zweiter der Magie, Chiromant (Wahrsager aus der Hand), Aeromant (Luft), Pyromant (Feuer), Zweiter in der Hydromantie (Wasser)“. In seinem Brief bezichtigte der Abt Faust zudem der scheußlichsten Gräueltaten, und als die Sache ans Licht kam, wurde diesem auch in Bad Kreuznach der Boden unter den Füßen zu heiß und er verschwand bei Nacht und Nebel – so geheimnisvoll wie er kam – wieder aus der Stadt, um der drohenden Strafe zu entgehen.




Wissenswertes

Das Faust-Haus in der Magister- Faust-Gasse – ein im 16. Jh. errichteter Fachwerkbau, der zu den architektonischen Schmuckstücken der Stadt zählt – erinnert mit seinen zahlreichen Inschriften und Malereien an das Wirken des Magiers in Bad Kreuznach. An dieser Stelle soll im 15. Jh. das Haus gestanden haben, in dem Faust gelebt hat. Der Faust-Stoff ist vielfach bearbeitet worden, neben Goethe unter anderem von Thomas Mann und Karl Simrock sowie in einer Komposition von Richard Wagner („Faustouvertüre“). Aber auch der berühmte Kreuznacher Maler und Dichter Friedrich Müller (der von 1749 bis 1825 in derselben Gasse der Neustadt lebte) hat sich dem Stoff gewidmet und ein Großgedicht – den metrischen Faust – geschaffen.






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Gebundene Ausgabe:  19,95 Euro, ISBN 3-7616-1986-3

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