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Das Begleitbuch zum Rheinischen Sagenweg
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Übersichtskarte und Routenbeschreibung


Apollinaris

Das romantische Städtchen Ahrweiler, Zentrum des Weinbaus und Weinhandels an der Ahr, ist von einer ungewöhnlich gut erhaltenen mittelalterlichen Stadtmauer umschlossen. Bad Neuenahr, ein moderner Kurort mit Spielbank, wird durch seine wunderschönen Parks, erstklassigen Hotels und zahlreichen Wellness-Einrichtungen geprägt. Beide Orte wurden in den 1960er Jahren zu der Kreisstadt Bad Neuenahr-Ahrweiler zusammengeschlossen. Hier können sich die Menschen erholen – vom Stress des Alltags und von ernsthaften Erkrankungen. Heilsam sind dabei vor allem zwei Schätze: das Wasser und der Wein, deren Schutzpatron der heilige Apollinaris aus Ravenna ist und zu dem die Kreisstadt enge Bande hat. Warum das so ist, davon erzählt die folgende Geschichte.

 

Im Jahr 1164 erhielt der Kölner Erzbischof Rainald von Dassel, der damals auch treuer Kanzler Kaiser Barbarossas war, aus des Kaisers Händen die Reliquien zahlreicher Heiliger. Darunter auch die der Heiligen Drei Könige und die des heiligen Apollinaris. Barbarossa hatte sie bei der Eroberung Mailands erbeutet und Rainald als Dank für seine treuen Verdienste geschenkt. Der Erzbischof bettete die Heiligtümer in kostbare Särge und begab sich mit ihnen auf den Weg nach Köln, zunächst auf dem Landweg über die Alpen, von der Schweiz an dann mit dem Schiff auf dem Rhein. Es war eine sonderbare Fahrt, denn überall, wo das Schiff vorbeikam, begannen in den Städten und Dörfern die Glocken von selbst zu läuten. Als sie die Ahrmündung bei Remagen erreicht hatten, ereignete sich ein weiterer wundersamer Vorfall: Trotz der starken Strömung, die das Schiff rheinabwärts getrieben hatte, blieb es plötzlich stehen und war nicht mehr von der Stelle zu bewegen. „Wir sind wohl auf eine Sandbank aufgelaufen“, meinte der Schiffsführer und ließ dies von seinen Leuten untersuchen. „Da ist nichts, der Kiel ist völlig frei“, berichtete die erstaunte Mannschaft. Der Kapitän gab den Befehl zum Rudern, doch auch dies war zwecklos. Das Schiff bewegte sich keinen Zentimeter vom Fleck. Da kniete sich Rainald auf die Schiffsplanken und betete: „Bitte, heiliger Vater, gib mir an dieser Stelle Kunde deines Willens.“ Kaum hatte er die Bitte ausgesprochen, drehte das Schiff seinen Bug wie von Geisterhand geführt in Richtung des Berges, auf dem die Martinskirche stand und deren Glocken genau in diesem Augenblick anfingen zu läuten. Da ahnte der Erzbischof, dass einer der Heiligen in dieser Stadt seine letzte Ruhe finden sollte. Doch welcher? Man brachte zuerst die Reliquien der Könige von Bord – aber das Schiff rührte sich immer noch nicht. Als man schließlich den Schrein mit den Gebeinen des heiligen Apollinaris ans Ufer brachte, ging ein Ruck durch das ganze Schiff, und es legte von selbst am linken Rheinufer an. Durch das Glockengeläut waren Priester und die Bürger der Stadt zusammengeströmt und trugen sodann die Reliquien in einer feierlichen Prozession in die Martinskirche. Kaum stand der Schrein auf dem Altar, läuteten die Glocken erneut, und diesmal so laut, dass sie bis ins Ahrtal zu hören waren. Für den Kölner Erzbischof war dies das Zeichen dafür, dass er Gottes Wille erfüllt hatte. Die Nachricht von diesem wundersamen Ereignis hatte natürlich in Windeseile auch das nahe gelegene Ahrweiler erreicht. Schnell sprach es sich herum, dass Apollinaris, der ehemalige Bischof aus dem italienischen Ravenna, der Schutzheilige des Weines ist. Und daher beschlossen die Ahrweiler, die immerhin in dem nördlichsten zusammenhängenden Rotweinanbaugebiet Deutschlands leben, ihm ein Denkmal – ein Bildstock des Heiligen – am Fuß der Weinberge zu setzen. Aus den roten Trauben, die hier im Ahrtal wachsen, machen die Winzer seit Jahrhunderten einen hervorragenden Rotwein. Nur auf einem kleinen Stück zwischen Heppingen und Neuenahr wollten die Rebstöcke einfach nicht richtig wachsen. Über diese kümmerlichen Weinstöcke auf einem Teil seines neuen Weinbergs, den er im 19. Jahrhundert zum Preis von 15 Talern erworben hatte, wunderte sich dann auch der neue Besitzer Georg Kreuzberg. „Der Sache gehe ich auf den Grund“, sagte sich der Winzer und nahm ausführliche Bodenuntersuchungen vor. Dabei stellte er eine ungewöhnlich hohe Konzentration von Kohlendioxyden fest, und nun war ihm auch klar, warum seine Reben dort nicht gedeihen konnten. Um zu ergründen, woher die hohe Konzentration kommt, ließ er ein tiefes Loch ausheben – und stieß auf die Ursache: eine sprudelnde Quelle mit Mineralwasser. Es schmeckte ausgezeichnet, und so ließ Kreuzberg das Wasser in Tonkrügen auffangen und verkaufte es. Abnehmer waren zunächst die Bürger der umliegenden Gemeinden, doch die Geschäfte liefen blendend, und bald wurde das Wasser in ganz Europa verkauft. Da Georg Kreuzberg glaubte, dass er diesen kostbaren Fund dem heiligen Apollinaris, dessen Bildstock in unmittelbarer Nähe stand, zu verdanken hatte, gab er der Quelle den Namen des Heiligen. Das Apollinaris-Wasser ist heute weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt – der berühmten Werbebotschaft zufolge trinkt die ganze Welt aus dieser Quelle. Doch das von Georg Kreuzberg entdeckte Wasser ist nicht nur bekömmlich und mineralhaltig, sondern auch warm und hervorragend zum Baden geeignet. So hat sich Neuenahr im Laufe der Jahre zu einem Bad und zu einer Kurstadt von Rang und Namen entwickelt.




Sehenswertes

Eine Büste und Gedenktafel erinnern bis heute an Georg Kreuzberg, der vor 150 Jahren die Neuenahrer Heilquellen und die weltweit berühmteste aller deutschen Mineralquellen entdeckte. Apollinaris- Quelle nannte er sie wegen des gleich darüber stehenden Bildstocks des heiligen Apollinaris, den Spaziergänger am Fuße der Weinberge zwischen Heppingen und Bad Neuenahr finden.




Wissenswertes

Die Verehrung des heiligen Apollinaris begann im 14. Jh. nachweislich durch die seit 1384 belegte Wallfahrt zu der Martinskirche in Remagen, die in der Folge zur Apollinariskirche umgeweiht wurde. Vor allem aber ist Apollinaris der Schutzheilige des Weins. Und hier in Bad Neuenahr-Ahrweiler hat er seinem Patronat alle Ehre gemacht. Denn der Spätburgunder von der Ahr hat Spitzenqualität und wird von Weinkennern aus aller Welt geschätzt.






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Gebundene Ausgabe:  19,95 Euro, ISBN 3-7616-1986-3

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