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Auf einem kleinen, aber markanten Berg in Bonn - Bad Godesberg steht die Godesburg, die mit ihrem Turm den Stadtteil weithin sichtbar überragt. Nach ihr wurde der pittoreske Ort zu ihren Füßen benannt, der heute Teil der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn ist. Wer vom Restaurant der Godesburg aus den atemberaubenden Blick auf das Siebengebirge genießt, ahnt kaum, dass die wehrhafte Trutzburg einst wegen einer reizenden Gräfin gesprengt wurde und dieses Ereignis dafür verantwortlich ist, dass das Rheinland bis heute vom katholischen Glauben geprägt geblieben ist. Wie es dazu kam, erzählt die folgende Geschichte.
Vor einem halben Jahrtausend entbrannten in ganz Deutschland Glaubenskämpfe zwischen Katholiken und Protestanten. Auch der Kölner Erzbischof und Kurfürst Gebhard Truchsess von Waldburg, der 1577 in Amt und Würden gekommen war, hatte engen Kontakt zu protestantischen Kreisen. Der Erzbischof war jedoch nicht nur Kurfürst und als solcher einer der wichtigsten Würdenträger des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, sondern er liebte auch die Frauen. Diese Schwäche wollten sich Teile des protestantischen Lagers zunutze machen. Daher war es sicher kein Zufall, dass Gebhard just in dieser Zeit dem Alchimisten und Magier Scotto begegnet sein soll. Neben anderen Zauberkunststücken beherrschte dieser einen Trick, der dem Betrachter beim Blick in einen magischen Spiegel seine geheimsten Sehnsüchte erscheinen ließ. Auch den Kurfürsten forderte Scotto auf: „Schau in den Spiegel.“ Und dieser erblickte dort das Bild der Freifrau Agnes von Mansfeld, einer Stiftsdame aus Gerresheim – und Protestantin. Gebhard fand Gefallen an der Frau, die äußerst hübsch gewesen sein soll, und sie wurde schon bald seine Geliebte. Zunächst hielt Gebhard seine Mätresse allerdings versteckt, doch als Agnes sich dies nicht gefallen lassen wollte, zeigte er sich mit ihr auch in der Öffentlichkeit. Und da begann die politische Falle zuzuschnappen, denn die Mansfelds hatten auf diesen Augenblick nur gewartet, empörten sich sehr lautstark und verlangten die Heirat und den Übertritt des Erzbischofs zum protestantischen Glauben. Durch diese Konversion würde das Kollegium der Kurfürsten, die den König (und damit auch späteren Kaiser) wählten, nicht mehr von einer katholischen Mehrheit dominiert, was durchaus in der Absicht der protestantischen Liga war. Nicht aber in der des katholischen Kaiserhauses und des Papstes. Als sich Gebhard Ende 1582 dann tatsächlich für einen Wechsel zum Protestantismus entschied und am 2. Februar 1583 Agnes in Bonn heiratete, wurde der Erzbischof am 1. April 1583 vom Papst abgesetzt und exkommuniziert. Noch am selben Tag musste das Paar fliehen, denn das Kölner Domkapitel hatte bereits Truppen nach Bonn entsandt. Doch Gebhard wollte seine Absetzung nicht hinnehmen, setzte seinen Bruder als Stadtkommandanten in Bonn ein und sammelte Truppen in Westfalen und Recklinghausen, um sich mit ihrer Hilfe zu verteidigen. Sie verschanzten sich im August 1583 auf der Godesburg. Inzwischen war Herzog Ernst von Bayern aus dem Hause Wittelsbach in Köln zum Nachfolger Gebhards gewählt worden. Seine Soldaten zogen Ende September rheinaufwärts, wo sie in Poppelsdorf erstmals mit den truchsessischen Truppen in Berührung kamen: Der „Truchsess’sche“ bzw. „Kölner Krieg“ hatte begonnen. In den darauf folgenden Tagen entbrannten dramatische Kämpfe um die Godesburg, in deren Verlauf das Dorf am Fuß der Burg von den bayerischen Truppen niedergebrannt wurde. Dann begann man die Burg von unten zu beschießen, doch ohne Erfolg. Die Mauern der Godesburg waren stärker als erwartet. Ernst ließ nun die Kanonen in einem höher gelegenen Weinberg aufstellen, aber auch das blieb ohne Erfolg. Die Truppen des Wittelsbachers mussten sich etwas anderes einfallen lassen. „Wir graben unterhalb der Burg Stollen, die wir mit Sprengstoff füllen und jagen den Berg mitsamt der Burg in die Luft“, entschied man schließlich. Den Angriff sollte Karl Graf von Arenberg leiten, denn dieser hatte durch seine Erzgruben an der Ahr das technische Knowhow für solche Sprengungen. Mitte Dezember waren die Vorbereitungen abgeschlossen. Letztmalig forderte Kurfürst Ernst die Soldaten auf der Burg auf, sich zu ergeben. „Wir halten die Godesburg bis zum letzten Mann“, lautete jedoch die Antwort – und Graf von Arenberg gab den Befehl zur Sprengung. Nach der Zündung gab es einen fürchterlichen Knall, der durch die gesamte Köln-Bonner Bucht hallte. Holzbalken und Steine flogen durch die Gegend, und die Burg wurde von Pulverdampf eingehüllt. Die Hälfte der Gemäuer war eingestürzt. Die Verteidiger leisteten dennoch großen Widerstand, doch vergebens: Als die ersten 50 Angreifer in den Innenhof gelangten, flüchteten Gebhards Truppen in den von der Sprengung verschonten Bergfried. Doch sie hatten keine Chance gegen die Übermacht der Wittelsbacher. Nach kurzem Kampf ergab sich auch Bonn am 28. Januar 1584. Die neue Kriegstechnik, eine Burg zu sprengen, hatte ihre Kampfmoral schwer angeschlagen. Gebhard Truchsess wurde schließlich im März desselben Jahres endgültig besiegt und floh nach Holland.
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