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Die weltweit bekannte Burg Eltz gilt als Inbegriff deutscher Burgenromantik und ist ein „Märchen aus Stein“, wie eine englische Reiseschriftstellerin Ende des 19. Jahrhunderts schrieb, fast zu schön, um wahr zu sein. Daher erscheint ein durchlöcherter Brustpanzer im Comtessenzimmer der Burg auf den ersten Blick doch etwas fehl am Platz. Dieser Harnisch soll einer Tochter aus dem Hause Eltz gehört haben, die die Hauptperson der einzigen Sage ist, die aus der Geschichte der Burg überliefert ist.
Agnes wurde zu einer Zeit geboren, als es noch Sitte war, dass Töchter bereits in der Wiege mit einem Knaben verlobt wurden. Die Wahl ihres Vaters, des Grafen zu Eltz, fiel dabei auf den kleinen Junker von Braunsberg. Je mehr die beiden aber heranwuchsen und je öfter sie zusammengeführt wurden, umso weniger mochte das Fräulein von Eltz ihren Verlobten leiden. „Den heiraten?“, meinte sie eines Tages zu ihrem Vater, „nie und nimmer. Da geh ich lieber ins Kloster!“ Der junge Mann dagegen wollte nicht von seiner Verlobten lassen, denn sie war überaus schön und zudem sehr reich. Eines Tages wurde der Braunsberger Junker mit anderen zu einem Fest auf die Burg Eltz geladen. Die jungen Herren tanzten und scherzten mit der hübschen Agnes und machten ihr gehörig den Hof. Eifersüchtig beobachtete der Braunsberger das Treiben und überlegte, wie er seine Nebenbuhler wohl ausstechen könne. „Ich werde sie jetzt einfach küssen“, dachte er sich und trat vor seine Verlobte. Doch schon bei dem Versuch, sich ihr in dieser Absicht zu nähern, stieß Agnes ihn weg, drehte sich um und verließ, ohne ein Wort zu sagen, den Saal. Für einen Augenblick war es totenstill, dann aber begannen die anderen zu tuscheln und zu kichern. Als der Braunsberger merkte, welche Blöße er sich gegeben hatte, wurde er abwechselnd rot und bleich. Dann verfinsterte sich sein Gesicht, und er verließ wütend das Fest. Am nächsten Tag kehrte er jedoch noch einmal zur Burg zurück, trat vor den Grafen, warf ihm den Fehdehandschuh vor die Füße und kündigte ihm voller Zorn böse Rache an. Aber monatelang geschah nichts. Und auch vom Braunsberger sah und hörte man nichts. Langsam beruhigten sich die Eltzer und dachten, dass er sich wohl besonnen habe. So ließen sie es an der anfänglichen Vorsicht mehr und mehr mangeln. Nach einiger Zeit hatten sie den Junker gänzlich vergessen, und so brach der Burgherr eines Morgensmit seinen Söhnen zu einem dreitägigen Turnier auf und ließ die Burg mit einer schwachen Besatzung zurück. Darauf hatte der Braunsberger aber nur gewartet. Gleich in der ersten Nacht zog er mit seinen Kriegsknechten los, kletterte über die Burgmauern und hatte die überraschten Wächter im Vorhof schnell überwältigt. Von dem Gefechtslärm aufgeweckt, schaute Agnes durchs Turmfenster. Als sie die unerwünschten Besucher sah, wusste sie sofort, welche Gefahr drohte. Sie rannte in die Kammer ihres jüngsten Bruders, zwängte sich in dessen Harnisch, wählte das leichteste Schwert und lief die Turmtreppe hinunter. Im Hof kämpften nun die wenigen Eltzer einen tapferen Kampf und gelangten über eine Ausfallpforte in den Rücken des Feindes. Einer tat sich dabei besonders hervor, jeder Hieb saß, und er trieb die Eindringlinge immer wieder aus dem Inneren des Burghofs zurück. Bald stand der Ritter dem Braunsberger gegenüber und wollte ihn gerade mit seinem Schwert angreifen, als dieser unerwartet ein Faustrohr hob und auf den Geharnischten schoss. Die Kugel durchschlug den Harnisch, und der tapfere Kämpfer ging zu Boden. Doch man konnte sich erst um ihn kümmern, als die Eindringlinge vertrieben waren. Als man dann das Visier öffnete, war das Entsetzen groß, denn sie blickten in das leichenblasse Gesicht der toten Agnes. Niemand hatte sie in der Rüstung des Ritters vermutet. Erst Tage später erfuhr der Junker von Braunsberg von einem seiner Knechte, wen er da erschossen hatte. Er muss es arg bereut haben, denn schon bald verließ er das Land und wurde nie mehr gesehen.
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