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„Wilhelm von Nassau, bin ich von deutschem Blut, dem Vaterlande treu, bleib ich bis in den Tod, ein Prinz von Oranien.“ Mit diesen ersten Zeilen ihrer Nationalhymne besingen die Niederländer den berühmten Oranier und Vorfahren ihrer heutigen Landesmutter, Königin Beatrix. In Diez, das wegen seiner vielen grünen Oasen auch die „Grüne Stadt“ an der Lahn genannt wird, steht das prachtvolle barocke Stammschloss der Oranier, und so zieht es jedes Jahr Tausende niederländische Touristen in die Heimatstadt der Vorväter ihres Königshauses. Das Schloss ist von einem großen Park umgeben, der ebenso wie einige der 318 Räume des Anwesens, in dem heute die Bundeswehr untergebracht ist, besichtigt werden kann. Der Hauptflügel wurde im 17. Jahrhundert von Fürstin Albertine Agnes als Witwensitz errichtet und von ihrer Schwiegertochter, Fürstin Henriette Amalie, von 1704 bis 1709 zu dem heutigen prächtigen Schloss umgebaut. Henriette Amalie verdankt Diez seine wichtigste touristische Sehenswürdigkeit. Auch eine andere Landesmutter halten die Diezer nach wie vor in dankbarer Erinnerung: Sophie Hedwig von Braunschweig- Wolfenbüttel, die Schwiegermutter von Albertine Agnes, die die Stadt mit einer heldenhaften Tat vor dem Angriff der Spanier während des Dreißigjährigen Kriegs bewahrt hat.
Kalt war es draußen. Die Dezembernacht des Jahres 1634 hatte wieder reichlich Schnee gebracht, als Sophie Hedwig eingehüllt in einen dicken Mantel ihr Amtszimmer im gräflichen Schloss von Diez betrat. Steil thronte die Burg über der Altstadt und bot einen wunderschönen Blick über die Ländereien der Grafschaft Nassau-Diez. Doch schon lange konnte sich Sophie dieses Ausblicks nicht mehr erfreuen. Denn im Land wütete der Dreißigjährige Krieg, und es waren schwere Zeiten für die Landesherrin. Da ihr Gatte Graf Ernst Casimir von Nassau-Diez in den Niederlanden weilte, um für die Freiheit der dortigen Besitzungen zu kämpfen, lastete die ganze Verantwortung auf Sophies Schultern. Sophie war eine fürsorgliche Regentin und bei ihrem Volk sehr beliebt. Wann immer sie konnte, versuchte sie Schaden von den Diezern abzuwenden, und so schaute sie traurig auf die alte Lahnbrücke unten im Tal, die zerstört im Flussbett lag. „Hätte ich anders entscheiden sollen, als der schwedische Kanzler Oxenstierna Anfang März des Jahres vor mir stand und auf eine Entscheidung wartete?“, dachte sie bei sich. Sie hatte die Wahl gehabt, entweder die schwedischen Truppen zur Verteidigung der Brücke in der Stadt aufzunehmen oder diese unbrauchbar zu machen. Da den Diezern zu dieser Zeit selbst nur wenig zu essen geblieben war und plündernde Horden schon genug Schaden in der Stadt angerichtet hatten, schien ihr die zweite Alternative die bessere zu sein, und sie hatte die Brücke sprengen lassen. Auf ihrem Amtstisch lagen an diesem Morgen schon wieder zahlreiche Anklagen von Diezern gegen ihre Mitbürger, die sich, oft bedingt durch ihre unterschiedlichen religiösen Weltanschauungen, gegenseitig der Hexerei und Ketzerei verdächtigten. Dabei musste Sophie an Wilhelm I., Prinz von Oranien, den Onkel ihres Gatten denken. Auch er war als Folge des Konflikts zwischen Katholiken und Protestanten vor genau 50 Jahren ermordet worden. Wehmütig blickte sie aus den Fenstern des Schlosses und wünschte sich bessere Zeiten herbei. In diesem Moment stürmte plötzlich ihr Amtmann Dr. Marinus Naurath aufgeregt in das Zimmer. „Die Spanier ziehen von Mensfelden aus gegen Diez“, rief er und riss Sophie aus den Gedanken. Nachdem sie sich von ihrem ersten Schrecken erholt und mit den Kommandeuren ihrer Soldaten beraten hatte, wurde ihr schnell klar, dass militärische Mittel hier wenig Erfolg versprachen, da die spanischen Truppen zu übermächtig waren. „Die Waffen einer Frau“ schienen ihr das einzige probate Mittel in dieser aussichtslosen Situation zu sein. Sie zog sich kurz in ihre Gemächer zurück und begab sich dann „hochgerüstet“ in den Kampf. „Nur das Beste, was die Stadt noch zu bieten hat“, waren ihre letzten Anweisungen an den Schlossverwalter zur Vorbereitung eines Festgelages, bevor sie dem Anführer der Spanier, Don Fernando, mit einem charmanten Lächeln entgegenritt. Spät wurde es an diesem Abend, bis die Gräfin dem Spanier ein Zimmer zur Nachtruhe anbot. Vielleicht war es ihr Charme, vielleicht auch der Spundkäs, den Don Fernando zum Abschluss des opulenten Mahls in der reizvollen Gesellschaft der Gräfin und ihres Hofes verzehrt hatte, zusammen mit reichlich „Runkeler Roten“, einem blauen Spätburgunder, der hier im Lahntal angebaut wurde ... Auf jeden Fall zogen die spanischen Truppen, denen die Diezer ebenfalls einen feuchtfröhlichen Abend in warmen Stuben bereitet hatten, am nächsten Morgen weiter, ohne die Stadt anzugreifen. Von diesem Ereignis zeugt bis heute ein Fresko an einem Haus in der Diezer Altstadtstraße, auf dem Sophie Hedwig mit einem Mantel dargestellt wird, den sie wie eine Glucke schützend über ihre Küken ausbreitet.
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