Rheinischer Sagenweg | Startseite | Einleitung




Das Begleitbuch zum Rheinischen Sagenweg
Kartonierte Ausgabe, Info's und bestellen

Gebundene Ausgabe, Info's und bestellen
Übersichtskarte und Routenbeschreibung

Herzlich Willkommen am wunderschönen, „sagenhaft” romantischen Rhein sowie seinen Nebenflüssen Mosel, Lahn und Nahe




„Eine herrliche, ewigfrische Blüte am Baume der Volkspoesie ist die Sage.“
Aus „Sagenkranz aus
Hessen-Nassau“,
von Carl Heßlers.


Das Rheintal, besonders die Region zwischen Bonn und Mainz, gilt als eine der schönsten Landschaften Europas. Eindrucksvolle Landschaften gibt es zwar überall auf der Welt, das Besondere des Mittelrheins aber liegt darin, dass das melodramatische Panorama der Natur zugleich als Kulisse für die Darstellung menschlicher Leidenschaften und Schicksale diente. Wo die Wälder von Vulkaneifel und Siebengebirge, Westerwald, Hunsrück, Taunus und Rheingau den Lauf des Stromes und seiner Nebenflüsse begleiten, gesäumt von steilen Weinbergen und mit dem Fels verwachsenen Ritterburgen, da gab es das vielfache Echo für die großen Gefühle, die sich in der Musik Richard Wagners, der Literatur Clemens Brentanos, Johann Wolfgang von Goethes, Heinrich Heines und Karl Simrocks, der Malerei William Turners sowie in den Baudenkmälern, Burgen und Schlössern widerspiegeln. Anfang des 19. Jahrhunderts hatten Dichter und Künstler das wildromantische Rheintal „entdeckt” und sich in seinen Bann ziehen lassen – eine Landschaft, die zudem wie kaum eine andere Region mit Sagen und Geschichten gesegnet ist. Die Stimmung, die all dies bei ihnen auslöste, beflügelte ihre Schaffenskraft und inspirierte sie zu Werken, in denen sich diese intensiven Gefühle wiederfinden lassen. Daher gilt der Mittelrhein auch als Ursprung der deutschen Romantik. Die Rheinromantiker haben damit eine Reisewelle ausgelöst, die bis zum heutigen Tage anhält.





„An den Rhein, an den Rhein, zieh nicht an den Rhein, mein Sohn, ich rate dir gut: Da geht dir das Leben zu lieblich ein; da blüht dir zu freudig der Mut!“
Aus „Warnung vor dem Rhein“
von Karl Simrock.


Im Begleitbuch zum „Rheinischen Sagenweg” und auf diesen Internetseiten sind zahlreiche Sagen und Geschichten zusammengetragen, die zu dem kulturellen Schatz der Städte und Orte entlang des „Rheinischen Sagenwegs” gehören und den Rhein zu einem so sagenumwobenen Fluss gemacht haben. Manche von ihnen wurden bereits seit dem Mittelalter überliefert, andere haben sich später entwickelt. Eine der herausragendsten Sagen, auch im wahrsten Sinne des Wortes, ist die von der verführerischen „Loreley”. Nüchtern betrachtet war und ist die Loreley zunächst nichts weiter als ein 193 Meter hoher Felsen an einer der engsten und gefährlichsten Stellen des Rheins, an der früher viele Schiffe kenterten und Bootsmänner ums Leben kamen. Die personifizierte Sagengestalt der „Loreley” ist erst durch das von Clemens Brentano im Jahr 1800 verfasste Gedicht „Lore Lay“ erschaffen worden. Mit Heinrich Heines 1824 veröffentlichtem Gedicht, das mit den bekannten Worten „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten …” beginnt, hat der Mythos um die betörende Jungfrau weltweiten Ruhm erlangt, was dazu beigetragen hat, dass jährlich Hunderttausende von Besuchern aus dem In- und Ausland zu diesem Felsen reisen. Dies verdeutlicht, welch große kulturelle, aber auch touristische Bedeutung diese und andere Sagen und Geschichten für die Region hatten und haben. Heutzutage lässt sich zwar kaum genau sagen, wann oder wie eine Sage entstanden ist, aber – im Gegensatz zu Märchen, die keine Verbindung zur Realität aufweisen – können Sagen meist mit tatsächlich existierenden Orten in Verbindung gebracht werden oder ranken sich um Personen, die wirklich gelebt haben. Sagen sind häufig nichts anderes als alte Geschichten, die einen wahren Kern haben. Um sie herum entwickelte sich dann im Laufe der Zeit durch Hinzudichtung oder Veränderung eine Erzählung, die eine Begebenheit, einen Ort oder einen bestimmten Menschen in eine Dramaturgie einbettet.




„Die Sage wandelt sinnend’ durchs Land von Ort zu Ort Und pflanzt in ihrem Garten der Dichtung Blumen fort. Sie hat sich mit dem Lande so liebend treu vermählt, Daß sie fast aller Orten von alter Zeit erzählt.“
Aus einem Gedicht von
Ludwig Bechstein.


Die Sagenbildung erfolgte vor allem dann besonders schnell, wenn Erzählungen bestimmten Zielen dienen sollten und ihr Wahrheitsgehalt nicht überprüfbar war.

Im Mittelalter verfügten die Menschen nicht annährend über die heutigen Möglichkeiten sich zu informieren, der Großteil konnte nicht lesen und Bücher waren Luxusgüter. Die Überprüfbarkeit von Geschichten beschränkte sich auf den eigenen Verstand und die Meinung der Nachbarn.

Hexen und Teufel existierten in der Vorstellung vieler Menschen. Bestimmte Ereignisse konnten nur mit dem Übernatürlichen erklärt werden. Die Angst vor dem Unbekannten konnte so kanalisiert werden und für unbegreifliche Phänomene wurde so eine Erklärung gefunden.

 

 





Ich weiß nicht was soll es bedeuten
Daß ich so traurig bin;
Ein Märchen aus alten Zeiten,
Das kommt mir nicht aus dem Sinn.

Die Luft ist kühl und es dunkelt,
Und ruhig fließt der Rhein;
Der Gipfel des Berges funkelt
Im Abendsonnenschein.

Die schönste Jungfrau sitzet
Dort oben wunderbar;
Ihr goldnes Geschmeide blitzet,
Sie kämmt ihr goldenes Haar.

Sie kämmt es mit goldenem Kamme
Und singt ein Lied dabei;
Das hat eine wundersame,
Gewaltige Melodei.

Den Schiffer im kleinen Schiffe
Ergreift es mit wildem Weh;
Er schaut nicht die Felsenriffe,
Er schaut nur hinauf in die Höh’.

Ich glaube, die Wellen verschlingen
Am Ende Schiffer und Kahn;
Und das hat mit ihrem Singen
Die Loreley getan.


Aus dem „Buch der Lieder“
von Heinrich Heine.


Auch die Sage von der Loreley hat nur im Kern einen wahren Bestandteil: Es ist der Felsen, um den sich bereits seit vielen hundert Jahren ein Mythos rankte. Aber erst durch weitere Hinzudichtungen und die Verbreitung der Geschichten um den Zauber der Jungfrau durch die Literaten, Maler und Musiker des 19. und 20. Jahrhunderts erlangte sie eine Strahlkraft, die ihr Licht auf die wunderschöne und romantische Landschaft des Mittelrheins lenkte – was sicherlich mit dazu beigetragen hat, dass das Rheintal zwischen Koblenz und Bingen im Jahr 2002 die Wertschätzung als Weltkulturerbegebiet erlangt hat. Jedoch wurden die Sagen oft auch ausgenutzt. So diente die Loreley Schiffern, die ihre Kähne in der engen Schlucht am Fuße des Felsens nicht mehr unter Kontrolle halten konnten, zuweilen als Ausrede für die eigene Unfähigkeit. Und die Nationalsozialisten missbrauchten die Sagen für ihre Ideologie, denn nach ihrer Vorstellung führten sie das deutsche Volk zu den Wurzeln seiner „völkischen“ Existenz: zu der „lebendigen, mütterlich-bewahrenden Seele des Volkes“. So passte auch die Überhöhung der Loreley als Symbol der Germanen gut in das national-sozialistische Programm, und ab 1934 ließen sie daher auf der Spitze des Felsens auch eine Freilichtbühne errichten, die als Gedenkstätte gedacht war, wodurch sie sich als Nachfolger der Preußen mit einer neuen Art von „Wacht am Rhein“ darzustellen versuchten.





Rheinreise
Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts konnten die ersten Touristen den Rhein per Schiff erkunden. Denn mit der „Concordia“ verkehrte 1827 das erste Linienschiff zwischen Köln und Mainz. Im gleichen Jahr eröffnete Karl Baedeker in Koblenz eine Verlagsbuchhandlung und gab später mit dem Titel „Rheinreise von Mainz bis Cöln, Handbuch für Schnellreisende“ den ersten Baedeker-Reiseführer heraus. Seit damals führt auch die „Köln-Düsseldorfer“, kurz KD genannt, im Rahmen kurzweiliger Ausflugsfahrten (Linien und Charter) zu den „sagenhaft“ schönen Sehenswürdigkeiten entlang des „Rheinischen Sagenwegs“.


Seit dem Beginn der „Rheinromantik“ wurden die Sagen in unzähligen Buchausgaben immer wieder neu verfasst, da sie sich beim Publikum ungebrochener Beliebtheit erfreuten. 1816 hatten die Brüder Grimm eine Sammlung deutscher Ortssagen herausgegeben, in die sie bereits einige rheinische Sagen aufgenommen hatten. 1818 folgte dann der zweite Teil ihres Werks „Deutsche Sagen“ mit der Zusammenstellung geschichtlicher Sagen. Die erfolgreichste Sammlung war jedoch die des Germanisten Karl Simrock, die unter dem Titel „Rheinsagen aus dem Munde des Volkes und deutscher Dichter“ erstmals 1837 erschien. Es wundert daher – dies alles zu Grunde gelegt – nicht, dass die rheinischen Sagen und Geschichten über die Jahrhunderte seit ihrer Entstehung nichts von ihrer Faszination verloren haben: Sie haben Bezug zu ihrer realen Umgebung, wecken Erinnerungen und Sehnsüchte und spiegeln die kulturellen und gesellschaftlichen Eigenheiten der Zeit und der Gegend ihrer Entstehung wider. Sie erzählen von Landschaften, Gebäuden und Denkmälern, die oftmals erst durch sie ihren touristischen Reiz erhalten haben. Mit dem „Rheinischen Sagenweg“ ist nun eine neue Ferienstraße entstanden, die an diese „sagenhafte“ Tradition anknüpft und literarisch zu über 100 faszinierenden Sehenswürdigkeiten zwischen Düsseldorf und Mainz führt. An 48 Orten entlang des Rheins sowie seiner Nebenflüsse Mosel, Lahn und Nahe erzählen sie von romantischen und tragischen Sagen, wundersamen Legenden und interessanten Geschichten, die Teil der Geschichte und Kultur des Rheinlandes sind. Der „Rheinische Sagenweg“ möchte dazu einladen, sich auf die Spuren der Vergangenheit mit ihren unterhaltsamen Sagen, Geschichten und Legenden zu begeben, die Orte der Handlungen zu besuchen und dabei auch die vielen weiteren Sehenswürdigkeiten, eindrucksvollen Landschaften und ebenso wunderschönen wie gastfreundlichen Orte am Mittelrhein sowie an Mosel, Lahn und Nahe neu zu entdecken.

 

 




 

 

Dabei wünsche ich Ihnen ebenso viel Vergnügen, wie mir die Entwicklung dieses Projektes Freude bereitet hat. Die Realisierung wäre jedoch ohne Mitwirkung vieler Personen und Institutionen nicht möglich gewesen. Für diese „sagenhafte“ Unterstützung möchte ich mich an dieser Stelle bei all jenen sehr herzlich bedanken.

 

Klaus-Peter Hausberg

Rheinromantiker und Initiator des „Rheinischen Sagenweg“

 

 

...zurück

 



PartnerbereichPresseImpressumBildnachweisAGB
Copyright ©
für alle Beiträge bei
„Märchen- & Sagenwelten”
im J.P. Bachem Verlag.
Alle Rechte vorbehalten.
Der „Rheinische Sagenweg” ist ein Projekt der „Märchen- und Sagenwelten” im J.P. Bachem Verlag
in Kooperation mit der Deutschen Zentrale für Tourismus, den Tourismusverbänden von Nordrhein-Westfalen
und Rheinland-Pfalz, dem Rheinsteig Büro und dem Sekretariat für das Welterbe in Rheinland-Pfalz
sowie den Tourismusgesellschaften „Romantischer Rhein”, „Mosellandtouristik, „Lahn-Taunus Touristik”,
„Naheland Touristik” und „Rheingau Taunus Kultur und Tourismus”.

und wird unterstützt durch: