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Das Begleitbuch zum Rheinischen Sagenweg
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Siegfrieds Kampf auf dem Drachenfels

Am Ausgang des Siebengebirges nahe Königswinter verabschiedet sich der Rhein ins Flachland der Kölner Bucht. Der bekannteste Berg dieser Kuppenlandschaft, der gewaltig über dem Fluss aufragt, ist der sagenumwobene Drachenfels. Die atemberaubend schöne Landschaft, die sich um den Felsen rankenden Sagen und Geschichten und nicht zuletzt der populäre, dort gewonnene Wein namens „Drachenblut“ haben dazu beigetragen, dass Königswinter seit Anfang des 19. Jahrhunderts zu einem der beliebtesten Urlaubs- und Ausflugsziele im Rheinland wurde. Darüber, wie der Berg zu seinem Namen kam, gibt eine berühmte Sage Auskunft.

 

In einer Höhle am Steilhang des Felsens hauste einst ein Drache, der letzte, aber auch der fürchterlichste seiner Art, von dem die Bewohner des Rheintals je bedroht wurden. Er war ein Ungetüm von unvorstellbarer Kraft, mit faustdicken Hornhautplatten gepanzert, durch einen Zackenkamm von der Stirn bis zur Schwanzspitze geschützt und mit mörderischen Krallen und Zähnen bewehrt. Die Menschen waren ihm schutzlos preisgegeben, und er konnte nur gnädig gestimmt werden, indem ihm jedes Jahr eine Jungfrau geopfert wurde. Weit weg in Xanten am Niederrhein hatten zu jener Zeit der König der Niederlande, Sigmund, und seine Frau Sieglinde einen Sohn bekommen. Sie nannten ihn Siegfried. Kaum war aus dem Königssohn ein tapferer und starker junger Mann geworden, machte er sich voll Tatendrang auf seinem Ross auf, die Welt zu erkunden. Siegfried war schon weit gekommen, als ihn vor einer Schmiede ein böses Unwetter überraschte. Er pochte ans Tor und bat höflich um Einlass. Der Schmied, der ihm öffnete, war Mime, Bruder von Alberich, dem König der Zwerge – und ein kunstreicher Fürst des Schmiedehandwerks zudem. Auf Siegfrieds Bitte um Aufnahme hin sah ihn der Alte an und antwortete zögernd: „Einen Gesellen könnte ich brauchen“ und fuhr fort: „Verpflichte dich mir auf ein Jahr, als Lohn erhältst du Speis und Trank, so will ich dich aufnehmen unter meinem Dach.“ So kam Siegfried in die Lehre beim besten Schmied der Schmiede und brachte es binnen kurzer Zeit sehr weit in dieser Kunst. Als er jedoch bemerkte, dass der Zwerg ihn hinterging und des Nachts heimlich an wunderschönem Geschmeide hämmerte, ihm dieses glänzende Gold aber niemals zu sehen gab, erzürnte dies Siegfried auf das Heftigste. Voller Wut schlug er am nächsten Tag mit dem schwersten aller Hämmer so kräftig auf den Amboss, dass dieser tief in der Erde versank. Darüber erschrak der Zwerg bis ins Mark, und von plötzlicher Furcht vor Siegfried ergriffen, versuchte er ihn loszuwerden: „Wenn ich so stark wäre wie du, würde ich heute noch den weiten Weg zum Köhler nach Heisterbach gehen und mir gute Buchenholzkohle für mein Schmiedefeuer holen. Aber ich kann die Last nicht schleppen. Daher frage ich dich, ob du mir nicht einen Korb holen willst?“ Doch diese Bitte des Zwergs war voller Hinterlist, denn er hatte dem Köhler, der ein Riese voll wilder Kraft war, seinerzeit befohlen: „Wenn ich jemanden schicke, Holzkohle zu holen, so bring ihn auf der Stelle um.“ Nichts ahnend begab sich Siegfried auf den Weg und erkannte den Verrat erst, als der Riese ihm mit seinen kräftigen Pranken nach der Kehle griff. Doch geschickt wie Siegfried war, gelang es ihm, dem Angreifer auszuweichen. Als dieser ihn daraufhin mit einem Eichenstamm erschlagen wollte, zog Siegfried sein eigenhändig gestähltes Schwert und trennte dem Unhold mit einem Hieb den linken Fuß ab. Der Riese stürzte, brüllte schmerzerfüllt auf und prügelte noch am Boden liegend voll Wut um sich. Siegfried aber schlug ihm nun mit einem zweiten Schwerthieb den Kopf vom Rumpf. Der Schmied hatte inzwischen all seine Schätze um sich herum ausgebreitet und erfreute sich ihres Anblickes. Als Siegfried plötzlich mit zornblitzenden Augen wieder vor ihm stand, war er wahrlich entsetzt, wähnte er ihn doch längst tot. Doch das Schicksal des Zwerges war besiegelt: Sein Kopf fiel, noch bevor er ihn zwischen die Schultern ziehen konnte. Anschließend stopfte Siegfried die prachtvollen Schätze in lederne Säcke und vergrub sie unter der Schmiede. Weil Siegfried wusste, dass er die Kostbarkeiten dort nicht lange aufbewahren konnte, machte er sich auf die Suche nach einem neuen Versteck und ritt rheinabwärts, bis er wieder in die Gegend von Heisterbach kam. Vor den Kuppen des Siebengebirges traf er auf zahlreiche Männer und Frauen, die Flüche einen Fels hinaufbrüllten. „Der Drache fordert heute seinen Jungfrauentribut“, erklärten sie auf seine Frage. In diesem Augenblick führten einige Krieger auch schon ein vor Angst zitterndes Mädchen herbei. „Und deshalb habt ihr diese unschuldige Jungfrau geraubt?“, entgegnete er missbilligend. „Ja, sonst holt sich der Drache unsere Kinder“, erwiderten die Menschen voller Furcht. Nur der Tod des Drachens würde das Leben des Mädchens retten können, erkannte Siegfried, und als die Ärmste von der Meute den Berg hinauf zur Höhle getrieben wurde, lief auch er los. Er nahm jedoch eine steile Abkürzung, um vor ihnen dort zu sein. Der Drache witterte den Menschenduft und kroch voll Vorfreude aus seiner Höhle hervor. Doch als er statt eines Mädchens den jungen Kämpfer erblickte, wurde er wütend. Sein Kamm schwoll an, rauchender Zorn stieg aus seinen Nüstern auf, und sein Schwanz peitschte Laub und Erde in die Luft. Siegfried merkte schnell, dass er mit dem Schwert keine Chance hatte: Die Hornplatten des Ungeheuers waren zu hart und schützten es vor seinen Hieben. Doch er entdeckte die verwundbare Stelle seines Gegenübers und klaubte hastig trockenen Reisig zusammen. Als der Drache nun erneut mit weit aufgerissenem Maul und Feuer speiend angriff, war der entscheidende Moment gekommen! Siegfried warf ihm das Reisigbündel in den Rachen, das dort sofort Feuer fing. Das Untier bäumte sich vor Schmerz auf, sodass sein Hals einen Augenblick lang frei lag. Darauf hatte Siegfried gewartet, denn dies war die einzig ungeschützte Stelle des Ungeheuers. Blitzschnell stieß er sein Schwert hinein, und aus der Wunde schoss ein riesiger Blutstrom, der über seine Hand zu Boden rann. Dem Drachen schwanden die Kräfte, und unter wilden Zuckungen verendete er. Als sich Siegfried, erschöpft von dem Kampf, für einen Augenblick zu Boden setzte, um auszuruhen, bemerkte er, dass das Gemisch aus Blut und geschmolzenem Drachenhorn auf seiner Haut getrocknet war und einen undurchdringlichen Schutzpanzer gebildet hatte. Nun wusste Siegfried, wie er sich künftig vor Feinden schützen konnte. Hastig riss er sich die Kleider vom Leib und wälzte sich nackt in der noch warmen Pfütze, die sich neben dem toten Drachen gebildet hatte. So erhielt er am ganzen Körper Schutz – und den Ruf, unverwundbar zu sein. Nur eine kleine Stelle auf seinem Rücken, auf die sich auf seiner schweißnassen Haut ein heruntergefallenes Lindenblatt geheftet hatte, blieb unbedeckt. Als er dies bemerkte, war es zu spät, denn die Pfütze war bereits versickert. Bekanntlich kostete ihn dies, so die Nibelungensage, später das Leben. Inzwischen waren auch die Männer mit der Jungfrau vor der Höhle angekommen. Siegfried schleifte den abgeschlagenen Drachenkopf vor ihre Füße. Als die Leute das sahen, bekamen sie Angst und flüchteten ins Tal. Siegfried aber löste die Fesseln des Mädchens und brachte es unversehrt zurück zu seinen Eltern. Sodann begab sich Siegfried eilends wieder zurück zu dem Schatz unter der Schmiede, denn ihm war eine Idee gekommen. Viele Male musste er den weiten Weg zurücklegen, um das gesamte Gold und allen Schmuck in das neue Versteck, die Drachenhöhle, zu bringen. Ende des 19. Jahrhunderts tauchte erneut ein fauchender, diesmal aber liebenswürdiger „Drache“ am Berg auf, der die Menschen bis heute hoch zur Drachenburg bringt: die bis zur vollständigen Elektrifizierung 1958 damals noch mit einer Dampflok betriebene „Drachenfelsbahn“.

 




Sehenswertes

Mit der Drachenfelsbahn, Deutschlands ältester Zahnradbahn, bei ihrer Inbetriebnahme 1883 eine technische Sensation, gelangt man bequem durch die reizvolle Landschaft des Siebengebirges auf den berühmten Drachenfels. Von dort kann man den einmaligen Ausblick auf das romantische Rheintal genießen. Bei der Fahrt hinauf, für Bahnfreunde jeden Alters ein einmaliges Erlebnis, werden zudem die vielen interessanten Baumarten am Wegesrand durch Hinweistafeln erklärt.






Weitere Sagen und Geschichten aus Königswinter

Der Mönch von Heisterbach

 

Die Entstehung des Siebengebirges







Alle Sagen und Geschichten finden Sie im offiziellen Begleitbuch zum "Rheinischen Sagenweg".

Rheinische Sagen & Geschichten

Das Begleitbuch zum "Rheinischen Sagenweg" mit den bekanntesten und schönsten Sagen und Geschichten von Rhein, Mosel, Lahn und Nahe. Ergänzt durch touristische Informationen. 416 Seiten, 48 farbige Illustrationen von der Kölner Künstlerin Gerda Laufenberg, über 300 farbige Bilder

 

 

Taschenbuchausgabe: 14,95 Euro, ISBN 3-7616-1869-7

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Gebundene Ausgabe:  19,95 Euro, ISBN 3-7616-1986-3

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