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Das Begleitbuch zum Rheinischen Sagenweg
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"Ausstiegspunkt Limburg" - Der heilige Lubentius

Neben der A3, einer der meist befahrenen Autobahnen Deutschlands, erhebt sich über der Stadt Limburg der weltweit bekannte Limburger Dom. Sein imposanter Anblick ist den meisten Autofahrern, die einmal an Limburg vorbeigefahren sind, sicherlich im Gedächtnis geblieben. Bei vielen dürfte er aber auch Erinnerungen an jene Zeiten wecken, als sein Bild noch den 1000 DM-Schein zierte. Die direkte Anbindung Limburgs an die Autobahn mit einer eigenen Autobahnausfahrt macht die Stadt zum verkehrsgünstig gelegenen Ein- oder Ausstiegspunkt des „Rheinischen Sagenwegs“. „Aussteigen“ musste man hier auch schon vor langer Zeit, denn die Stadt lag an einer der wichtigsten Handelsstraßen des Mittelalters, die von Antwerpen nach Byzanz führte: Vor oder nach dem Überqueren der alten Lahnbrücke waren die Händler gezwungen, von ihren Pferdekarren abzusteigen, um den Brückenzoll zu zahlen. Zudem befand sich hier die engste Durchfahrtsstelle entlang der Handelsstraße, die noch heute sehenswert ist und auf beiden Seiten von wunderschönen Fachwerkhäusern, darunter einem der ältesten in Deutschland, gesäumt ist. Die Tradition, in Limburg auszusteigen, reicht sogar bis ins 4. Jahrhundert zurück. Wie es dazu kam, davon erzählt die Legende vom heiligen Lubentius, dessen Reliquien bis heute in der St. Lubentiusbasilika im Limburger Stadtteil Dietkirchen aufbewahrt werden.

 

Lubentius wurde im 4. Jahrhundert geboren und noch als Säugling von seinen Eltern in die Obhut des heiligen Martin gegeben. Martin, der zu der Zeit Bischof von Tours war, nahm Lubentius als geistlichen Sohn an und zog ihn auf. So wie dieser Bischof auch heute noch wegen seiner Barmherzigkeit als Sankt Martin verehrt wird, so achtete seinerzeit auch Lubentius ihn, eiferte ihm mit Fleiß nach und begleitete ihn auf seinen Reisen. Eine dieser Reisen führte die beiden nach Trier, wo Martin seinen Ziehsohn dem Trierer Bischof Maximin als Zögling anvertraute, damit dieser ihn in den geistigen Wissenschaften unterrichte. Als Lubentius die Ausbildung abgeschlossen hatte, wurde er von Maximin zum Priester geweiht und als Seelsorger nach Kobern an die Untermosel geschickt. Nach dem Tod von Maximin erhielt Lubentius von dessen Nachfolger Bischof Paulinus den Auftrag, die Gebeine des Verstorbenen nach Trier zu überführen. Da dieser aber bei Verwandten in Aquitanien, dem heutigen Südwesten Frankreichs, verschieden war, musste Lubentius sein Wirken an der Untermosel für einige Zeit unterbrechen. In Begleitung mehrerer Geistlicher begab er sich auf die Reise. An seinem Ziel angekommen, verzögerte sich die Ausführung seines Auftrags jedoch zunächst, weil niemand ihm sagen konnte, an welcher Stelle Maximin beigesetzt worden war. Erst ein Engel, der Lubentius im Gebet erschienen sein soll, führte ihn zum Leichnam des Bischofs. Nachdem er seine Mission erfolgreich abgeschlossen hatte, kehrte er wieder nach Kobern zurück und widmete sich erneut der Seelsorge und Bekehrung der Heiden an der Untermosel. Dort blieb er bis zu seinem Tode um das Jahr 350. Hier nun beginnen die Ereignisse, um die sich die Legende über den weiteren Weg des Lubentius’ rankt. Bereits sein Begräbnis gestaltete sich mehr als ungewöhnlich, denn als man den Sarkophag mit seinem Leichnam bestatten wollte, war niemand von den Kobernern in der Lage, diesen von der Stelle zu bewegen. Er schien wie festgewurzelt, und alle Mühen waren vergebens. Der Überlieferung nach soll dies eine göttliche Strafe dafür gewesen sein, dass die Koberner die Lehren des Lubentius’ sowie seine Tugenden missachtet haben und stattdessen in der finsteren Wildheit ihrer alten Gewohnheiten verharrten. Aber auch die Bemühungen der herbeigerufenen Priester, die Lubentius in der Koberner Kirche beisetzen wollten, blieben erfolglos, denn ihnen gelang es genauso wenig, den Sarg zu bewegen. Die Nachricht von diesem wundersamen Ereignis gelangte schnell bis nach Trier und Köln, und jetzt kamen sogar Bischöfe nach Kobern, um Lubentius mit in ihre Heimat zu nehmen. Jedoch konnten auch sie zunächst nichts bewirken, und es wurde beraten, was nun getan werden könne. Man kam zu dem Ergebnis, dass ein Gottesurteil über das weitere Schicksal Lubentius’ entscheiden sollte. Und wie durch ein Wunder war es vom Moment dieses weisen Entschlusses an möglich, den Sarkophag anzuheben. Wie damals auch andernorts üblich, sollte der Lauf des Wassers den weiteren Weg bestimmen. Also trug man den Sarg zum nahe gelegenen Moselufer, setzte ihn auf einen unbemannten Kahn, stieß diesen ab und überließ Lubentius’ sterbliche Hülle ihrem Schicksal. Der Kahn trieb bis zur Mündung der Mosel in den Rhein flussabwärts, nahm dort jedoch Kurs rheinaufwärts, zog an Koblenz vorbei, lenkte in die Lahn und landete schließlich in Lahnstein. Dort soll das Boot zunächst wie von selbst angelegt haben und von zwei Ordensschwestern gefunden worden sein. Nachdem diese, die von den wundersamen Geschehnissen um Lubentius’ Gebeine erfahren hatten, einen Teil ihrer Weinernte als Opfergaben darbrachten, glitt das Boot wie von himmlischer Kraft angetrieben wieder in die Mitte des Flusses und trieb weiter stromaufwärts. Erst in dem nahe bei Limburg gelegenen Ort Dietkirchen schien der Kahn sein endgültiges Ziel erreicht zu haben, denn nach seiner Landung bewegte er sich nicht mehr von der Stelle. Die dortigen Ordensleute deuteten dies als Zeichen und ließen den Sarkophag mit dem Leichnam des Lubentius’, der später heilig gesprochen wurde, an Land bringen und setzten ihn bei. Genau an dieser Grabstelle wurde die St. Lubentiusbasilika errichtet, in der die sterblichen Überreste des Heiligen nachweislich seit dem 9. Jahrhundert bis zum heutigen Tage aufbewahrt werden.




Wissenswertes

Die St. Lubentiusbasilika, die „Mutterkirche“ des Niederlahngaus, liegt vier Kilometer vom Zentrum Limburgs entfernt im heutigen Ortsteil Dietkirchen auf einem Felsplateau in Ufernähe. Ausgrabungen zeugen davon, dass sich hier schon im 4. Jh. eine Kultstätte befunden haben muss. Die ältesten Fundamente stammen von einer frühkarolingischen Saalkirche aus dem 8. Jh. Eine erste dreischiffige Basilika entstand Ende des 10. Jh., ihre heutige Gestalt erhielt die Kirche im 11. und 12. Jh. Lubentius soll zu Lebzeiten auch an der Lahn missionarisch tätig gewesen sein. Seine Reliquien scheinen tatsächlich aber erst im 9. Jh. von der Lubentiuskirche in Kobern, wo er zuerst begraben gewesen sein soll, an die Lahn überführt worden zu sein.




Sehenswertes

Das Wahrzeichen Limburgs ist der Dom. Mit ihren sieben Türmen, der Doppelturmfassade, den Langhausemporen, der Zwerggalerie, den Rautendächern der Türme und den farbenfrohen romanischen Fresken gilt die viergeschossige Emporenbasilika als Meisterwerk rheinischer Spätromanik. Auch in seinem Inneren birgt der Dom einzigartige sakrale Kunstwerke. Dazu zählen u. a. das Kreuzreliquiar (10. Jh.), das Petri-Stab-Reliquiar (von 988), Messkelche und Patene (13. Jh.), silberne Buchdeckel (14. Jh.), ein Abtsstab (15. Jh.) und der Barockschatz aus dem 17. Jh.







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