Die sieben Jungfrauen
Sie sind schon manchem Schiffer zum Verhängnis geworden, die sieben Felsenklippen, die der Sage nach die Seelen von sieben Jungfrauen sein sollen. Denn nur in heißen Sommern, wenn der Rhein wenig Wasser führt und der Wasserstand bei Oberwesel niedrig ist, ragen sie aus dem Wasser hervor.
Der Sage nach wohnten auf der Schönburg vor langer Zeit sieben Schwestern. Wegen ihrer Schönheit und Lieblichkeit wurde ihr Ruhm von vielen Sängern bis in die fernsten Lande hinaus getragen. Es wurde aber auch berichtet, dass die Schwestern sehr reich und tugendhaft seien.
Und so machten sich zahlreiche Ritter von stolzem Geschlecht auf, um die Herzen der edlen Damen zu erobern. Bald schon herrschte ein reges Treiben auf der Burg, und es fanden Wettkämpfe statt, sowohl in der Schwertkunst als auch in Gesang und Saitenspiel. Oft schien es, als ob einer der Bewerber das Herz der einen oder anderen Schwester erobern könne. Aber letztlich hatte keiner von ihnen Glück und mit der Zeit setzte sich die Meinung durch, die sieben Schwestern wollten alle Freier zum Narren halten.
Darauf beschlossen diese, die Burg so lange zu belagern, bis der Stolz ihrer Angebeteten gebrochen sei und sie unter den Freiern gewählt haben. Die Jungfrauen gaben klein bei, luden zu einem Fest und verkündeten, dass das Los über ihre Zukunft entscheiden solle.
Als die vermeintlichen Gewinner jedoch am nächsten Tage, an dem ihnen die Schwestern zugeführt werden sollten, in den Festsaal eintraten, saßen stattdessen in den Sesseln sieben Strohpuppen.
Die Schwestern aber saßen - schelmisch zur Burg winkend - unten im Tal in einem Boot, das stromabwärts fuhr. Weit sind sie jedoch nicht gekommen, denn eine ungewöhnlich große Welle erfaßte ihr Boot. An der Stelle aber, wo die Jungfrauen in den Fluten versanken, erwuchsen sieben Felsen.
Und diese „Sieben Jungfrauen“ sollen dem Volksmund nach auch heute noch jeder Frau zur Warnung dienen, sich nicht allzu hartnäckig der Werbung aufrichtiger Freier zu verschließen. | | Oberwesel – Die Stadt der Türme und des Weines
Die „wehrhafte Stadt am Rhein“ wird Oberwesel auch genannt. Von den zahlreichen Städtchen, die sich im Tal des Mittelrheines auf schmalem Ufersaum aneinanderreihen, zeigt kein anderes ein so eindruckvolles, noch ganz vom Mittelalter beherrschtes Stadtbild wie Oberwesel und gilt daher auch als einer der schönsten historischen Orte Deutschlands. Von ursprünglich 21 Wehrtürmen entlang der Stadtmauer, von der ein Teil begehbar ist, sind heute noch 16 Türme erhalten. Vom Hotel "Goldner Pfropfenzieher" vorbei an der Wernerkapelle bis zur Gartengasse können Besucher auf der Mauerkrone den Ausblick auf den Rhein genießen.
Ein weiteres wichtiges Wahrzeichen ist die Liebfrauenkirche, deren Bau 1308 begonnen wurde und die über einen beeindruckenden Chor verfügt. Besonders zu erwähnen ist der Goldaltar im Hochaltar, einer der frühesten und wertvollsten Schnitzaltäre des Rheinlandes. Hier fand im Jahr 2003 auch die offizielle Übergabe der Urkunde statt, die das Mittelrheintal zum Weltkulturerbe erhob.
Und kein geringerer als Victor Hugo notierte 1838 auf seiner Rheinreise: "Oberwesel ist eine der Rheinstädte, die unter Kriegern am meisten gelitten haben. Die alte Stadtmauer ist von Einschlägen der Kanonen- und Gewehrkugeln durchsiebt. Aber heute gleicht Oberwesel einem alten Soldaten, der Winzer wurde. Sein Rotwein aber ist exzellent."
Und damit beschrieb Hugo trefflich das, was Oberwesel auch noch auszeichnet, zählt der Ort doch zu den größten Weinanbaugemeinden des Mittelrheins. Die Großlage auf Schloss Schönburg, im Übrigen eine der ältesten Hochburgen im Rheinland, erbringt pro Jahr ca. 500.000 Liter des begehrten Rebensaftes. Auf den 72 Hektar der steilen Weinbergslagen Schloss Schönburgs bauen die Winzer hauptsächlich Riesling, Müller-Thurgau und Kerner an.
Bei der Vielfalt an Qualitätsstufen ist die Auswahl nicht leicht. Einfacher ist es daher, seinen Lieblingswein bei einer Weinprobe oder einem der fröhlichen Weinfeste in Oberwesel zu entdecken. | |