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Das Begleitbuch zum Rheinischen Sagenweg
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Der Gymnicher Ritt

Der Rhein-Erft-Kreis ist eine reizvolle und abwechslungsreiche Region, die neben zahlreichen Naherholungsgebieten – zum Teil durch die Rekultivierung des Braunkohletagebaus entstanden – durch mehr als 50 Burgen und Schlösser geprägt wird und zu den an Wasserburgen reichsten Regionen Deutschlands zählt. Bei Mechernich, nahe dem Rhein-Erft-Kreis, liegt die Burg Satzvey, die jedes Jahr zu pompösen Ritterspielen und historischen Märkten einlädt. Der heutige Besitzer der Burg engagiert sich darüber hinaus für ein weiteres Ereignis, dem ein fast 800 Jahre alter Brauch zu Grunde liegt und von dem die Sage vom „Gymnicher Ritt“ erzählt. Es ist kein geringerer als der Burgherr selbst, Franz Josef Graf Beissel von Gymnich jun., der zum Gedenken an seinen berühmten Vorfahren Ritter Arnold I. die alljährlich an Christi Himmelfahrt in Gymnich stattfindende Reiter- und Fußprozession anführt. Der folgende Text ist dem Buch „Ritterburgen“ (Band 2) „Burg Satzvey“ von Elke Lutterbach (Köln 2004) entnommen.

 

Man schrieb das Jahr 1219, als sich Ritter Arnold I. von Gymnich im Gefolge des Grafen Wilhelm von Jülich zum Kreuzzug aufmachte, um das 1187 an die Muslime verlorene Heilige Land zurückzuerobern und Jerusalem von den Sarazenen, den „Ungläubigen“, zu befreien. 6000 Kilometer Landweg hatten die Kreuzfahrer vor sich, entbehrungsreich und voller Gefahren. Monate, sogar Jahre, waren die meisten unterwegs. Tausende verloren im Kampf ihr Leben oder starben an Hunger, Durst und Krankheit. Der Hauptstützpunkt der Sarazenen war Damiette, eine stark befestigte Hafenstadt im Nildelta. Hier stieß der Graf von Jülich mit Gefolge, darunter Ritter Arnold, auf das schon 1218 aufgebrochene Heer der rheinischen Ritterschaft unter Führung des Kölner Domherrn Oliverus, das Damiette bereits seit Monaten belagerte. Die Sarazenen machten es den Belagerern nicht leicht. Sie hatten die Durchfahrt auf dem Nil mit Festungsturm und Sperrketten gesichert. Es galt also, den Turm zu erstürmen, ehe mit der Eroberung der Stadt begonnen werden konnte. Im August schließlich fiel der Turm, der äußerst gewagte Angriff auf die Stadt zog sich aber, bis er erfolgreich beendet werden konnte, noch bis November hin. Zum Verhängnis wurde dem Heer jedoch der Marsch auf Kairo. Im Siegestaumel versäumte es der päpstliche Legat Oliverus, das Hinterland zu sichern. Die Sarazenen überfluteten das Nildelta, indem sie die Dämme zerstörten, und zwangen damit die Kreuzfahrer zum Rückzug. Hier beginnt die Sage vom Gymnicher Ritt. Ritter Arnold kam in große Bedrängnis. Sein Pferd trug schwer an der Last der Beute. Gold, Silber und Edelsteine wollte er nach Hause tragen. Dieser Schatz sollte ihn von all seinen finanziellen Sorgen befreien, die ihn in seiner fernen Heimat erwarteten. Seine Burg, seine Ländereien und seine Untertanen, Bauern, Handwerker und Gesinde hatte er in großer Not zurückgelassen. Der Reichtum, den er nun mit nach Hause bringen würde, sollte alles ändern. Es war ein gefährlicher Weg. Diebe, Räuber und Wegelagerer verbargen sich überall, und sie schreckten vor nichts zurück, um an die Habseligkeiten der Reisenden zu kommen. Aber auf seiner Reise lauerte noch eine andere Gefahr: das sumpfige Nildelta. Denn plötzlich gab der Boden unter Ritter Arnold nach und langsam, aber unaufhaltsam sank sein Pferd immer tiefer in das dichte Schilf. Er sah keinen Ausweg, dem Sumpf zu entkommen, kein Strauch, kein Baum weit und breit, an dem er sich festhalten konnte. Panik ergriff ihn, und er versuchte verzweifelt, sein Pferd voranzutreiben. Mit letzter Kraft rammte er ihm noch einmal die Sporen in die Flanken, aber es sank immer tiefer, und er steckte bereits bis zu den Knien im Morast. Plötzlich, in hoffnungsloser Situation, ertönte ein krächzendes Geschrei und heftiges Flattern neben ihm. Eine Nilgans war angstvoll aufgeschreckt und flog wild mit den Flügeln schlagend aus dem Sumpf empor. Der Hengst des Ritters erschrak dermaßen, dass er einen gewaltigen Satz machte und auf festem Boden landete. Nachdem Ritter Arnold sich von dem ersten Schreck erholt hatte, fiel er auf die Knie, richtete seine Augen und seine gefalteten Hände zum Himmel und legte einen heiligen Schwur ab. Wenn er wieder zu Hause ist, gelobte er feierlich, würde er als Dank für seine Rettung alljährlich an Christi Himmelfahrt eine Prozession anführen, die rund um die Gemarkung Gymnich gehen und mit der Gott einen ganzen Tag lang gelobt und gepriesen werden soll. Und so geschah es auch. Ritter Arnold kehrte zwar erschöpft, aber gesund und dankbar nach Hause zurück. Sogar sein Pferd hatte er unterwegs von der schweren Last der reichen Beute befreit und die Schätze, die er bei sich trug, an Arme am Wegesrand verteilt.




Wissenswertes / Sehenswertes

Jedes Jahr finden sich mehrere tausend Teilnehmer und Schaulustige in Gymnich ein, um bei der Veranstaltung „Gymnicher Ritt“ altes Brauchtum zu pflegen. Es ist ein glanzvolles, außergewöhnliches und historisch bedeutendes christliches Fest mit feierlichen Zeremonien am Schloss und auf dem Rittplatz, mit unzähligen Fahnen und Standarten, mit Pilgermesse und einem segnenden Priester hoch zu Ross. Den religiösen Feierlichkeiten, die den Mittelpunkt des Festes darstellen, folgt am Nachmittag und Abend das Volksfest in den Straßen und Sälen Gymnichs.

 

Eine Urkunde, die 1219 im Lager des Grafen von Jülich vor Damiette ausgestellt wurde, belegt, dass Ritter Arnold von Gymnich als Gefolgsmann des Grafen von Jülich am fünften, dem sogenannten „nicht gezählten“ Kreuzzug (1217 bis 1221) teilgenommen hat. Die Betprozession soll in den nahezu 800 Jahren noch nie ausgefallen sein und hat Gymnich weit über seine Grenzen hinaus bekannt gemacht. Das sakrale Herzstück bildet eine kostbare Kreuzpartikel, die ein berühmter Nachfahre Arnolds, Ritter Johann von und zu Gymnich, von einer Pilgerfahrt in das Heilige Land mitgebracht haben soll. Auch viele hohe Würdenträger aus Politik und Kirche, darunter der beliebte Kölner Erzbischof Josef Kardinal Frings, haben bereits an den Feierlichkeiten teilgenommen.






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Gebundene Ausgabe:  19,95 Euro, ISBN 3-7616-1986-3

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