Die Rhenser Eierspende
Seit 1988 wird in Rhens wieder eine alte Tradition mit Leben erfüllt, die über die Jahrhunderte hinweg in schweren Zeiten immer mal wieder unterbrochen wurde: Die „Rhenser Eierspende“, zu dessen Anlass jedes Jahr an Ostermontag ein Fest gefeiert wird.
Angefangen hat alles im Jahr 1631. Zu jener Zeit existierte bei der Jugend bereits der Wunsch, um die Osterzeit in den Besitz der Eierspende zu kommen. Da sich in Rhens zahlreiche geistliche und adelige Hofgüter befanden, vermutet man, dass aus deren Verhältnis gegenüber den Bürgern eine gewisse Verpflichtung zur Abgabe der Eierspende bestand, ähnlich den Spenden bei Zehnthöfen. So zog die Jugend zu Ostern von Haus zu Haus um die begehrte Gabe einzufordern.
In jenem Jahr war auch ein Fräulein aus Koblenz, Agnes von Flören, mit Ihren Eltern während des Osterumganges in Rhens zu Gast. Agnes, die sich gerade verlobt hatte, trat den Kindern strahlend vor Freude entgegen und wurde nicht müde, aus den wohlgefüllten Körben Eier und Osterkuchen zu spenden.
Im Jahr darauf blieb der Besuch von Agnes aus und als sie im folgenden Jahr in Rhens erschien, war aus ihr eine bleiche und stille Witwe und Nonne geworden, da ihr Mann in einer Schlacht zu Zeiten des 30-jährigen Krieges gefallen war. Lediglich ihre Liebe zu den Kindern ward ihr geblieben und so unterließ sie es fortan niemals, am Ostermontag nach Rhens zu kommen, um ihnen eine Freude zu machen. So heilig war ihr die Gewohnheit geworden, dass sie darauf bedacht war, dies über ihren Tod hinaus zu erhalten. So machte sie eine Stiftung mit der Auflage, dass alljährlich am Ostermontag 1100 rotgefärbte Eier an die Kinder der Stadt verteilt werden sollen.
So ist dieses Fest zu Ostermontag, neben den zahlreichen anderen Festen in Rhens, auch heute immer noch ein besonderer Anlass – besonders für Familien mit kleinen Kindern - diesem geschichtsträchtigen Ort einen Osterbesuch abzustatten. | | Im romantischen Rheintal umgeben von Wasser, Wald, Wiesen und Reben liegt Rhens. In dieser reizvollen Lage kommt der historische Glanz alter Zeiten noch heute zur Entfaltung.
Der Ortsname Rhens ist keltischen Ursprungs und bedeutet übersetzt „Ort am Strom“. Erstmals erwähnt wurde er 874. Dank der poltisch- geographischen Lage – hier stießen sieben Kurfürstentümer aufeinander – wurde Rhens zum Versammlungsort der deutschen Kurfürsten. Von 1346 bis 1486 wurden am Rheinufer Könige und Kaiser gewählt. Der erste war Karl IV., der hier 1346 zum König gewählt wurde, der letzte Kaiser Maximilian I. im Jahre 1486. Zu diesem Anlass errichtete man den Königsstuhl. Der begehbare Königsstuhl ist das Wahrzeichen der Stadt. Er wurde von seinem ursprünglichen Platz am Rhein auf eine Anhöhe über der Stadt verlegt, von wo aus man die Aussicht über das Tal genießen kann.
Sehenswert sind die beachtlichen Reste der alten, acht Meter hohen fünfeckigen Stadtmauer. Von den einst fünf Türmen stehen noch der Scharfe Turm, das Joseftor und das Rheintor. Der Scharfe Turm am Rhein zeugt von einer dunklen Periode der Rhenser Geschichte. Lange Zeit als Gefängnis genutzt, wurden hier auf dem Höhepunkt des Hexenwahns zwischen 1645 und 1647 zehn angebliche Hexen und Hexenmeister bis zu ihrer Hinrichtung gefoltert.
Die Reize der vielen schönen Fachwerkbauten mit ihren Balken, Schnitzereien, Erkern, Torbögen und blumen-geschmückten Fenstern sind ein Genuss fürs Auge. Das herausragenste unter ihnen ist das Rathaus. Im 16. Jahrhundert errichtet ist es mit dem kleinen Glockentürmchen eines der schönsten und ältesten Rathäuser am Mittelrhein.
Weithin bekannt ist Rhens auch für sein Wasser. An dem alten Standort des Rhenser Brunnen, wo seit dem 16. Jahrhundert eine Mineralwasserquelle entspringt, erinnert heute eine Gedenktafel an die vergangenen Zeiten. | |