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Das Begleitbuch zum Rheinischen Sagenweg
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Die Loreley

„Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin ...“ Dies sind die berühmten Zeilen von Heinrich Heine, mit denen der Zauber beschrieben wird, der von dem sagenumwobensten aller Orte im Mittelrheintal ausgeht: dem Loreleyfelsen. Dieser 193 Meter hohe Schieferfelsen wurde im Jahr 2002 mitsamt dem „Tal der Loreley“ zum UNESCO-Welterbe erklärt. Kein Wunder, dass die Schönheit dieser außergewöhnlich faszinierenden Landschaft bereits zahlreiche Künstler zu ihren Werken inspiriert hat: Der Rhein hat hier mit 22 Metern seine tiefste, engste und gefährlichste Stelle und liefert dem Szenario vor dem berühmten Felsen mit einer scharfen Rechtsbiegung das dazugehörige dramatische Fundament. Bis ins 19. Jahrhundert hinein waren die Felsklippen und Stromschnellen in dieser engen Schlucht äußerst gefürchtete Hindernisse für Schiffer und Flößer, von denen viele hier verunglückten und die sinnenbetörende Loreley zuweilen als Ausrede benutzten. Da das Rheintal an dieser Stelle auch für sein ungewöhnliches Echo berühmt war, hatte sich schon im 13. Jahrhundert ein Mythos um diesen Felsen gebildet. Clemens Brentano erschuf aus dem Namen des Felsens „Lurlei“ im Jahre 1800 die Zauberin Lore Lay, und seitdem ranken sich unzählige Erzählungen um die Sage von der verführerischen Jungfrau.

 

In Bacharach lebte einst eine wunderschöne Jungfrau. Ihr Name war Loreley, und ihre Augen strahlten einen Zauber aus, dem sich kein Mann entziehen konnte. Viele versuchten ihr Herz zu gewinnen, gelungen ist dies jedoch nur einem, einem Ritter von der Burg in Bacharach. Dem Glück der beiden war leider keine lange Dauer beschieden, denn schon bald musste der Ritter in den Krieg ziehen. Der Kummer der Loreley war groß, unentwegt war sie in Gedanken bei dem fernen Geliebten. Die Sehnsucht in ihren Augen ließ sie aber nur noch reizvoller erscheinen, und so wuchs die Zahl der Bewerber mit jedem Tag. Unter ihnen waren auch zwei Männer, die der Kirche nahe standen, und als sie ebenfalls abgewiesen wurden, klagten sie die Loreley in ihrer Enttäuschung beim Bischof an: „Sie ist eine böse Zauberin.“ Der Bischof ließ sie zu sich kommen, und auch er konnte seine Augen vor dem Zauber der Jungfrau nicht verschließen. Da er aber ein gerechter Kirchenmann war, konnte er an ihrem Liebreiz nichts Schändliches entdecken. Die Loreley kniete vor ihm nieder und brach in Tränen aus. „Hochwürden“, sprach sie zu ihm, „ich bin so unglücklich und verbreite nur noch Leid. Am liebsten würde ich sterben.“ Der Bischof aber erwiderte: „Sterben sollst du nicht, nur für diese Welt. Nonne sollst du werden, dann wirst du deinen Frieden finden.“ Und er befahl drei Rittern, sie in das nahe gelegene Kloster zu bringen. Als sie an dem hohen Felsen am Rhein vorbeikamen, bat die Loreley: „Lasst mich diesen Felsen besteigen. Ich möchte so gerne noch einmal das Schloss meines Liebsten sehen und den Anblick des Tals genießen, bevor ich Gottes Braut werde.“ Die Männer gewährten ihr diese Bitte, und so stieg sie zur Spitze hinauf und schaute über den Strom. In diesem Moment näherte sich ein Schiff, das die Flagge ihres geliebten Ritters trug. Freudig schrak sie zusammen. Im nächsten Moment meinte sie, auch den Geliebten selbst zu erkennen und streckte ihre Arme nach ihm aus. Dabei vergaß sie jedoch, dass sie am Rand des Felsens stand, und als sie einen Schritt nach vorne tat, stürzte sie hinab und versank in den Fluten des Rheins. Da sie aber, wie der Bischof gesagt hatte, nicht von dieser Welt gehen sollte, lebte die Loreley fortan als Nixe in den Tiefen des Rheins weiter. Oft tauchte sie allerdings aus dem Wasser auf und stieg in der Dämmerung oder bei Mondenschein auf den Felsen und ließ ihren betörenden Gesang erklingen, während sie ihr goldenes Haar kämmte. Ebenso romantisch wie tragisch wussten fortan die Dichter zu berichten, „dass so manche Schiffer am Felsenriff und in den Strudeln untergingen, weil sie nicht mehr auf den Lauf des Schiffes achteten, sondern von den himmlischen Tönen der wunderbaren Jungfrau gleichsam vom Leben abgelöst wurden, wie das zarte Leben der Blumen sich in ihrem süßen Duft verhaucht.“ Eine weitere Sage berichtet von dem Sohn des Pfalzgrafen, der damals in dieser Gegend sein Hoflager aufschlug, da ihm die schöne Jungfrau nicht aus dem Sinn ging. Sie hatte sein Herz entflammt, und so ließ er sich eines Abends stromabwärts fahren, um nach ihr Ausschau zu halten. Die Sterne standen schon am Himmel, und der Mond hinter dem mächtigen Felsen warf sein Licht bis tief ins Tal, als der süße Klang ihres Gesangs in seine Ohren drang. Und dann erblickte der Jüngling auch die Loreley, die nicht weit entfernt auf einer Klippe saß. Ihr Haar schimmerte golden im Schein des Mondes. Er nötigte den Schiffer, den Felsen anzufahren, und wollte hinüberspringen. Doch er sprang zu kurz und versank im Strom. So sehr man auch nach ihm suchte, der Unglückliche blieb verschwunden. Und so mussten seine Begleiter alleine zurückfahren und dem Pfalzgrafen die schreckliche Nachricht überbringen. Von Schmerz und Wut erfüllt, befahl der Graf sogleich, dass man diese Frau gefangen nehmen solle, tot oder lebendig, um ihrem verführerischen Treiben ein Ende zu setzen. Ein Hauptmann erklärte sich bereit, sie an Ort und Stelle zu ertränken. Der Pfalzgraf willigte ein, und so wurde der Felsen vom Rhein her umstellt. Bald schon hatten sie die Jungfrau erblickt, die mit einer Bernsteinkette geschmückt oben auf der Spitze saß. Der Hauptmann kletterte mit dreien seiner Leute den Felsen hinauf. „Was habt ihr hier zu suchen?“, rief die Loreley, als sie die Männer kommen sah. Der Hauptmann antwortete: „Du Zauberin, du sollst von hier oben in den Rhein springen.“ „So“, antwortete sie, „der Rhein soll mich holen?“ Daraufhin warf sie ihre Kette in den Fluss und begann zu singen: „Vater, geschwind, geschwind, die weißen Rosse schick’ deinem Kind, es will reiten mit Wogen und Wind!“ Kaum hatte sie geendet, rauschte ein starker Sturm heran und peitschte das Wasser zu hohen Wellen auf. Plötzlich erhoben sich zwei der riesigen Wellen, nahmen die Gestalt von Pferden an und trugen die Jungfrau hinab in den Strom. Jetzt erst erkannte der Hauptmann, dass die Loreley eine Nixe war und menschliche Gewalt ihr nichts anhaben konnte. Als die Männer zurückkehrten, trafen sie dort zu ihrem Erstaunen auch den tot geglaubten Sohn wieder glücklich vereint mit seinem Vater an. „Nur an eine große Welle, die mich weit entfernt zärtlich ans Ufer legte, kann ich mich noch erinnern“, schloss der Jüngling seine Erzählung von den Umständen seiner wundersamen Rettung. Die Liebe zu der Jungfrau begleitete ihn zeitlebens, und manchmal, wenn ihn abends die Sehnsucht an das Ufer des Rheins zog, glaubte er tief unten im Fluss den verführerischen Klang ihrer Stimme zu hören. Gesehen wurde die Loreley nie mehr, aber der Mythos rankte seitdem noch intensiver um diesen Felsen und lockt die Menschen aus aller Welt bis heute hierher.




Wissenswertes

Das bekannteste, 1824 erstmals veröffentlichte Gedicht von der Loreley schuf der Dichter Heinrich Heine. Zum Volkslied, das in Japan fast jedes Kind kennt, wurde es durch die Vertonung von Friedrich Silcher im Jahr 1837.




Sehenswertes

Von Graf Diether von Katzenelnbogen 1245 errichtet, setzte die Feste Rheinfels einst Maßstäbe für den gesamten Burgenbau im Deutschen Reich. Heute beherbergt die Anlage eines der besten Hotels im Mittelrheintal, das Heimatmuseum und ein Restaurant, von dem man einen herrlichen Blick auf den Loreleyfelsen hat.







Alle Sagen und Geschichten finden Sie im offiziellen Begleitbuch zum "Rheinischen Sagenweg".

Rheinische Sagen & Geschichten

Das Begleitbuch zum "Rheinischen Sagenweg" mit den bekanntesten und schönsten Sagen und Geschichten von Rhein, Mosel, Lahn und Nahe. Ergänzt durch touristische Informationen. 416 Seiten, 48 farbige Illustrationen von der Kölner Künstlerin Gerda Laufenberg, über 300 farbige Bilder

 

 

Taschenbuchausgabe: 14,95 Euro, ISBN 3-7616-1869-7

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Gebundene Ausgabe:  19,95 Euro, ISBN 3-7616-1986-3

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