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Riesen, Höhlen und die im Gebiet um Treis-Karden gelegenen Berghöhen spielen in der Vergangenheit dieses geschichtsträchtigen Moselortes eine wichtige Rolle. Denn in dem Naturschutzgebiet um die Berghöhe „Treiser Schock“ bei Treis soll einst ein Riese gelebt haben, der die Menschen in Angst und Schrecken versetzte. Inzwischen ist er jedoch in seine Höhle gebannt, sodass Wanderer bei einer Tour durch das Flaumbachtal und Lützbachtal rund um den „Treiser Schock“ die sehenswerte Landschaft wieder sorglos genießen können. In einer Höhle lebte auch der heilige Kastor, der im 4. Jahrhundert nach Karden kam. Ihm zu Ehren wurde im 12. Jahrhundert die das Ortsbild überragende Kirche St. Kastor („Moseldom“) gebaut. Wie der heilige Kastor ziehen sich auch heute Menschen in der Nähe des Ortes zeitweise in eine Höhle zurück: Sieben Kilometer entfernt im Flaumbachtal, unweit des Klosters Engelport, liegt der ehemalige Schieferstollen „Charlotte“, eine 150 Meter tiefe, große Höhle mit einem von Quellwasser gespeisten Brunnen, die mit ihrer feucht-kühlen und staubfreien Luft Allergikern und Menschen mit Atemwegsbeschwerden einen wohltuenden Aufenthalt ermöglicht.
Vor langer Zeit lebte ein wilder Riese in einer dunklen Felsenhöhle im „Treiser Schock“. Und wenn er nicht schlief, vertrieb er sich die Zeit damit, mit schweren Felssteinen Ball zu spielen oder sie vom hohen Berg hinab ins Tal zu werfen. Dies machte ihm besonders viel Spaß, wenn die Bauern dort auf ihren Feldern arbeiteten. Sie mussten dann jedes Mal schleunigst das Weite suchen. Fast täglich jagte der Unhold in den umliegenden Wäldern und erlegte jedes Tier, das ihm in die Hände fiel. Wenn ihm dabei ein Mensch begegnete, zwang er den Unglücklichen, ihn beim Jagen zu „unterstützen“, da half kein Bitten und Sträuben. Von morgens bis abends ging es unentwegt über Stock und Stein, und wenn die armen Leute abends müde waren, dann brüllte der Riese sie fürchterlich an, stieß die grässlichsten Drohungen aus und jagte die Ärmsten schließlich davon. So verbreitete er Angst und Schrecken und niemand traute sich mehr in den Treiser Wald. Ein Mann allerdings fürchtete den gewalttätigen Riesen nicht. Er war ein frommer Einsiedler, der in der Nähe seine Behausung hatte. Und er besaß dreizehn wunderbar glänzende Steinchen, mit denen man den Riesen, wenn man sie ihm vor die Augen hielt, blenden konnte, sodass er den Menschen nichts anhaben konnte. Als die Bauern davon erfuhren, liehen sie sich fortan immer eines der Steinchen aus, wenn sie am Schock vorbeigehen mussten. Eines Tages kam ein kleiner Junge zu dem Eremit. Er wollte zu seinen Großeltern, und der Weg würde ihn zwangsläufig an der Höhle des Riesen vorbeiführen. Daher bat er den Einsiedler, ihm eines der glänzenden Steinchen auszuleihen. Doch der hatte bereits zwölf der Steine verliehen und wollte das letzte nicht hergeben. Da fing der Junge bitterlich zu weinen an, und schließlich überließ der Alte ihm aus Mitleid auch sein letztes Steinchen. Er ermahnte ihn jedoch, gut darauf aufzupassen. Freudig machte sich der Junge auf den Weg und kam schon bald zu der Höhle. Vorsichtig versuchte er, daran vorbeizuschleichen, doch vergebens. Der Riese trat heraus und befahl dem Knaben so fürchterlich brüllend, mit ihm „auf die Jagd zu gehen“, dass der arme kleine Kerl vor Angst ganz schrecklich zu zittern begann und dabei das Steinchen fallen ließ. Er wollte es rasch wieder aufheben, konnte es auf die Schnelle aber nicht mehr finden. Doch der Riese wurde auf einmal ganz still und verschwand wieder in seine Höhle. Den Plumps des Steins, der dem kleinen Jungen daraufhin vom Herzen fiel, hat man vermutlich durch den ganzen Wald hören können. So schnell er konnte, machte er sich auf und davon. Als er am Abend auf dem Rückweg wieder an der Höhle des Riesen vorbeikam, war von dem Unhold nichts zu sehen. Erleichtert ging er weiter und traf mit schlechtem Gewissen bei dem Einsiedler ein. Dort waren auch die anderen Männer versammelt, die sich die Steinchen ausgeliehen hatten und sich gerade darüber wunderten, dass keiner von ihnen den Riesen an diesem Tag mehr gesehen hatte. Schluchzend erzählte der Kleine ihnen, was ihm mit seinem Steinchen passiert war. Da erkannten sie mit einmal, was geschehen sein musste: Der Riese schien von dem hinabgefallenen Stein, der auf dem Boden liegen geblieben war, offenbar ganz in seine Höhle gebannt worden sein. Das sprach sich schnell herum, und die Menschen in der Gegend dankten Gott, dass sie von der Bedrohung befreit waren, und erbauten dem Einsiedler ein Gotteshaus. Später entstand dort ein Hof, der nach wie vor existiert und bis zum heutigen Tag „Gotteshäuser Hof“ heißt. Das Wundersteinchen aber soll noch immer im Schock vor der Riesenhöhle liegen. Und wenn es einmal jemand findet, dann möge er es liegen lassen, denn es heißt, dass der Riese sonst wieder erscheinen und die Plage von neuem anfangen würde.
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