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Das Begleitbuch zum Rheinischen Sagenweg
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Übersichtskarte und Routenbeschreibung


Sagen und Legenden von der Untermosel

Am Deutschen Eck bei Koblenz mündet der mit einer Länge von 545 Kilometern größte Nebenfluss in den Rhein: die Mosel. Eine Reise flussaufwärts entlang des Stroms, der sich in tiefen Schluchten und unzähligen Windungen durch das Schiefergebirge gegraben hat und an dessen Ufern sich idyllische Winzerorte aneinander reihen, entführt den Besucher in eine der großen Kulturlandschaften Europas. Die reizvolle Landschaft mit ihren steilen Hängen und Terrassen sowie den Wärme speichernden Schieferböden, die für ein mildes Mikroklima sorgen, hatte bereits die Römer zum Weinanbau veranlasst. Damit legten sie den Grundstein für die herzliche und weinselige Gastfreundschaft im Moseltal, der schon der römische Dichter Ausonius im 4. Jahrhundert ein literarisches Denkmal setzte: In seinem Gedicht „Mosella“ preist er die Schönheit der Landschaft sowie die Güte ihres Weines und die Liebenswürdigkeit der Bewohner. Bis heute zeugen prächtige und gut erhaltene Bauwerke von der zum Teil über 2000-jährigen Geschichte und erzählen von den Legenden und Sagen entlang der Mosel.




Die Weinhex von Winningen

Im Spätsommer feiern die Winninger alljährlich mit ihren Gästen das älteste Winzerfest Deutschlands. Dabei sind die romantischen Gassen bunt geschmückt und rund um den Weinhexbrunnen herrscht bis in die Nacht Hochstimmung. So ist es auch kein Wunder, dass sich am nächsten Tag der ein oder andere Liter Wein weniger in den Fässern befindet. Ähnliche Verluste hatte vor langer Zeit auch der Winzer Veit Mertes, der „Pfeifenhannes“, erlebt – nur konnte er sich nicht erklären, wie es dazu kam. Seine Frau Kathrin soll eine wahre Plaudertasche gewesen sein, die sich jeden Nachmittag mit den anderen Frauen des Ortes zu einem Schwätzchen traf. Und dabei haben sie heimlich auch so manchen Schoppen geleert. Bald wunderten sich die Winzer, dass aus ihren Fässern immer einige Liter der besten Weine fehlten. Da man damals noch an Hexen glaubte, schienen die Schuldigen bald ausgemacht. Nur der Pfeifenhannes zweifelte an dieser Erklärung und legte sich des Nachts auf die Lauer. Und schon bald schlich sich tatsächlich eine vermummte Gestalt die Kellertreppe hinunter und füllte einen Krug mit Wein. Der Pfeifenhannes stürzte aus seinem Versteck hervor, schlug mit einem Stock auf die Gestalt ein, riss ihr das Tuch vom Gesicht – und sah seiner eigenen Frau ins Antlitz. Er veranstaltete daraufhin ein „Tänzchen“ mit ihr, das seine Wirkung nicht verfehlte: Kathrin wurde ein lammfrommes Weib, und der „Hexenzauber“ in Winningen war für alle Zeit vorbei. Wenn heutzutage eine junge Winzerin beim Moselfest zur „Weinhex“ gekürt wird und ein „Tänzchen“ veranstaltet, dann tut sie dies zu Ehren der vorzüglichen Weine der Großlage „Weinhex“, die auf den terrassenartigen Weinbergen rund um den Ort reifen.




Die Matthiaskapelle in Kobern-Gondorf

In Kobern-Gondorf stößt man auf eines der reizvollsten Werke spätromanischer Baukunst im Mosel-Rhein-Gebiet: die Matthiaskapelle, die hoch über dem Flusstal an die Ruinen der längst zerstörten Oberburg grenzt. Hier wurde einst das Haupt des Apostels Matthias aufbewahrt und verehrt. Der Legende nach soll Heinrich II. von Isenburg-Kobern die Reliquie während eines Kreuzzuges zwischen 1217 und 1221 in Damiette/Unterägypten erbeutet und hierher gebracht haben. Nach dem Vorbild der Grabeskirche in Jerusalem errichtete man für sie um 1230 die Matthiaskapelle, und der Ort entwickelte sich bald zu einer bedeutenden Wallfahrtsstätte. Einer anderen Überlieferung zufolge soll Matthias – der auch der 13. Apostel genannt wird, da er als Nachfolger für den Verräter Judas in den Kreis der Jünger gewählt wurde – nach seinem Tod allerdings zunächst in Rom bestattet und im 4. Jahrhundert durch Kaiserin Helena nach Trier gebracht worden sein. Dort habe sie seinen Leichnam zusammen mit anderen wertvollen Reliquien sowie ihrem Palast, der später zum Trierer Dom umgebaut wurde, dem Trierer Bischof Agritius zum Geschenk gemacht.

So unterschiedlich die Berichte über die Herkunft der Reliquie und deren weiteren Verbleib auch sind, ab Mitte des 14. Jahrhunderts stimmen sie wieder überein. Denn in der Legende um die Matthiaskapelle wird davon berichtet, dass das Apostelhaupt um 1350 in den Besitz des Erzbistums Trier übergegangen ist. Der spätere Papst Pius XII. überführte die Reliquie 1927 vom Dom in die Trierer Abtei St. Matthias, wo sie nach wie vor – als einziges Apostelgrab nördlich der Alpen – verehrt wird.

Aber auch die orientalisch beeinflusste Matthiaskapelle mit ihrem sechsseitigen Zentralbau, dem reich gegliederten Innenraum sowie ihren Säulen und Kapitellen ist bis heute ein sakrales Kleinod und eine der herausragendsten Sehenswürdigkeiten an der Untermosel.




Alken - Die Belagerung der Burg Thurant

Trutzig erhebt sich Burg Thurant mit zwei gewaltigen Bergfrieden über dem kleinen Ort Alken. Sie wurde 1198 von Pfalzgraf Heinrich auf Trierer Gebiet erbaut und so genannt, weil er auf einem Kreuzzug vergeblich die syrische Burg Thuron belagert hatte. Mitte des 13. Jahrhunderts entbrannte nun um Burg Thurant ein Streit zwischen Kurtrier und der Pfalz, und als es dem Trierer Erzbischof Arnold nicht gelang, die Burg in seine Gewalt zu bekommen, bat er den Kölner Kurfürsten Konrad um Hilfe. Die ins Moselland geschickten Kölner Truppen dachten aber nicht daran, die schwer einnehmbare Burg zu stürmen, sondern beschlossen, sie zu belagern, denn irgendwann mussten den Eingeschlossenen ja einmal die Vorräte ausgehen. Nach über zweijähriger Belagerung – während der Fuder um Fuder Moselwein vor die Burg gerollt und bei fröhlichen Zechgelagen geleert wurde (die Kölner und Trierer Truppen sollen während dieser Zeit 3000 Fuder, was etwa einer Million Liter Wein entspricht, getrunken haben) – musste der damals herrschende Burggraf Zorno schließlich auch kapitulieren. Dies signalisierte eines Morgens eine weiße Fahne, was im Heerlager der Kölner einen ungeheuren Siegesjubel auslöste. Es wurde ein großes Verbrüderungsfest mit den Insassen der Burg gefeiert, der Heimmarsch angetreten, und ganz Köln war auf den Beinen, um die sieggekrönten Helden zu begrüßen. Mitgebracht hatten sie nicht viel, verrostet waren Helme und Lanzen und viele Nasen waren rot. Manche sollen von ihren Frauen und Bräuten auch „schwer Knuuzen“ gekriegt haben „von wegen den Winzerinnen“. Dies ist vielleicht der Grund dafür, dass es die Kölner seit dieser Zeit immer wieder gerne an die Mosel zieht. Das Original des „Friedeschlusses“, der am 16. September 1248 offiziell besiegelt wurde, existiert bis heute und gilt als der älteste in deutscher Sprache abgefasste Vertrag. Mit dem jährlichen Moosemannfest in Alken wird bis heute an die Zeit der Belagerung erinnert – im Besonderen an die mutige Tat eines Burgbewohners, des Junkers Emmerich von Leinigen. Als die Vorräte damals zur Neige gingen, wollte dieser der Sage nach Hilfe beim Pfalzgrafen anfordern und hatte sich zu diesem Zweck in einen Moosballen einhüllen und in einer stürmischen Nacht am steilen Nordhang der Burg ins Bachtal hinabrollen lassen. Letztlich hatte es zwar nichts genutzt, aber in Alken wird ihm zu Ehren an jedem dritten Fastensonntag auf dem Moselplatz gefeiert. Von einer weiteren Legende aus der Belagerungszeit erzählt die Wallfahrtskirche auf dem Oberfeller Bleidenberg. Sie soll als Dank für die Rettung des Ritters Brenner gebaut worden sein, der mittels eines Balkens aus der Burg Thurant katapultiert wurde. Burggraf Zorno – der auch den Beinamen „der Schrecken der Mosel“ trug und seinem Namen alle Ehre gemacht zu haben scheint – hatte ihn des Verrats verdächtigt und wollte den Ritter auf diese Weise mit dem Tod bestrafen. Der Angeklagte rief jedoch vor der Vollstreckung des Urteils die Gottesmutter um Beistand an – und landete unverletzt in den Hecken auf dem Bleidenberg, genau an der Stelle, wo einst eine Marienkapelle gestanden hatte.





Die Kussnische auf der Ehrenburg bei Brodenbach

Inmitten wildromantischer Wälder unweit der Mosel ragt der steile Felsen empor, der seit Jahrhunderten die Türme, Höfe und Bastionen der Ehrenburg trägt: Ein außergewöhnlicher Platz für besondere Feste, ein reizvolles Ziel für einen Wochenendurlaub – und ein Ort für Liebende. Denn angeblich wird ein Paar, das sich in der „Kussnische“ mit einem Kuss die Treue schwört, für immer zusammenbleiben: Die Sage erzählt von einem jungen Ritter, der sich mit seinem Knappen auf dem Weg von Mainz nach Trier befand. Als sie sich dem Felssporn am steilen Rande des tiefen Grabens näherten, den die Mosel hier seit Urzeiten in das Schiefergebirge geschnitten hatte, sprang plötzlich ein weißer Hirsch vor ihnen durchs Gehölz. Ihm folgten drei Berittene – ein Ritter im Jagdgewand, dicht darauf seine anmutige Schwester im Damensattel und im Gefolge ein Knappe. Sie machten sich einander bekannt, und da die Sonne schon tief stand, wählten sie den kleinen Wildgarten auf jenem steilen Sporn als Nachtlager, wo ihnen eine Felsenkammer Schutz bot. Bereits in dieser ersten Nacht verliebten sich der junge Ritter und das schöne Fräulein ineinander, küssten sich unter dem wilden Efeu nah der Feuerstelle und gelobten einander ewige Treue. Daraufhin beschloss der Ritter, hier eine Burg für sie beide zu errichten und ließ schon bald darauf die Stelle roden. Dabei stieß man auf eine uralte Steinstele, deren Inschrift das Paar zutiefst bewegte: Offenbar hatte eine hellsichtige Seele bereits vor langer Zeit das unverhoffte Glück des jungen Paares und den Bau dieser Burg vorausgesehen ... Und so führt die Ehrenburg bis heute Paare zusammen, denn vor der romantischen Burgkulisse können Liebende hier unter freiem Himmel oder im schönen Gewölbekeller ihre Hochzeit feiern.




Wissenswertes/Sehenswertes

Seidig glänzende Schieferdächer entlang der Moselschieferstraße sowie alte Schieferbergwerke zeugen von der Geschichte dieses uralten und bis heute beliebten Baustoffs. Der weltweit bekannte „Moselschiefer®”, einer der ersten Markenbegriffe und seit 1588 belegt, verdankt seinen Namen aber nicht dem Abbau an der Mosel – gefördert wird er in der Eifel –, sondern der Tatsache, dass er über Moselhäfen verschifft wurde. Bei Mayen, wo das Deutsche Schiefer-Erlebnisbergwerk zur Besichtigung einlädt, wird der Schiefer in den Bergwerken des Unternehmens „Rathscheck Schiefer“ – den größten Mitteleuropas – bis heute abgebaut

 

zur Moselschieferstraße







Alle Sagen und Geschichten finden Sie im offiziellen Begleitbuch zum "Rheinischen Sagenweg".

Rheinische Sagen & Geschichten

Das Begleitbuch zum "Rheinischen Sagenweg" mit den bekanntesten und schönsten Sagen und Geschichten von Rhein, Mosel, Lahn und Nahe. Ergänzt durch touristische Informationen. 416 Seiten, 48 farbige Illustrationen von der Kölner Künstlerin Gerda Laufenberg, über 300 farbige Bilder

 

 

Taschenbuchausgabe: 14,95 Euro, ISBN 3-7616-1869-7

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Gebundene Ausgabe:  19,95 Euro, ISBN 3-7616-1986-3

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