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Der Westerwald ist eine üppige und hügelige Landschaft, über die dem beliebten Volkslied zufolge der Wind angeblich „so kalt“ über die Höhen pfeift. Touristisch wird der Westerwald daher auch mit dem Slogan „Frisch wie der Wind“ vermarktet. Berühmt ist die Gegend jedoch vor allem für ihr „weißes Gold“, den Ton, aus dem hier hochwertige Keramikwaren wie salzglasierte weiße, grau-blaue oder braune Kannen und Krüge hergestellt werden. Dies ist der Grund, warum ein Teil des Westerwaldes auch „Kannenbäckerland“ genannt wird. Die Landschaft mit ihren riesigen Wäldern, Basaltbergen, Seen und tiefen Tälern hat etwas Mystisches und Geheimnisvolles, vor allem wenn sich der Nebel über die teils raue Landschaft legt. Es ist daher kaum verwunderlich, dass hier zahlreiche Sagen über Gespenster und Geister entstanden sind, an die mancher Wäller – so die Bezeichnung für die Bewohner der Region – auch heute noch glaubt. Eines der vielen geheimnisvollen Täler ist das der Nister bei Hachenburg. Eingebettet in Wälder und umrahmt von dem Flüsschen Nister liegt dort die Abtei Marienstatt. Bis heute ist sie ein kunsthistorisches Prachtstück mit außergewöhnlicher Kirche und beeindruckender Architektur des Klostergebäudes, zu dem auch ein Gymnasium und eine eigene Brauerei gehören, welche bei Wallfahrten die zahlreichen Pilger versorgt. Den Platz für dieses Kleinod an der Nister soll die Gottesmutter Maria selbst gezeigt haben – und davon erzählt die folgende Sage.
Die Ende des 12. Jahrhunderts begründete Abtei Heisterbach bei Königswinter besaß zu Beginn des 13. Jahrhunderts ein Tochterkloster in Kirburg im Hohen Westerwald. Die Gegend um Kirburg war zu jener Zeit sehr arm, sodass auch das dortige Kloster in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet. Hinzu kamen noch rechtliche Probleme, da die Güterschenkung des Kölner Burggrafen Eberhard von Aremberg und seiner Gemahlin Adelheid von Molsberg angefochten wurde. Diese Umstände und nicht zuletzt auch das raue Westerwaldklima, unter dem man dort zu leiden hatte, veranlassten den Abt Hermann zu einem Entschluss, den er seinen Zisterzienserbrüdern sodann verkündete: „Wir müssen diese Abtei aufgeben und eine neue errichten. Jetzt sollten wir uns überlegen, an welchem Ort dies geschehen soll.“ Die Mönche jedoch waren ratlos und wussten keine Antwort. Wochenlang suchte man nach einem geeigneten Platz, wurde aber im gesamten Hohen Westerwald nicht fündig. Schließlich flehte Abt Hermann im Gebet die Gottesmutter um Hilfe an. Und die Jungfrau Maria erhörte seine Anrufung. Eines Nachts erschien sie dem Abt im Traum und sprach zu ihm: „Dort, wo du mitten im Winter einen blühenden Weißdornstrauch findest, dort errichte das neue Kloster.“ Der Abt wusste sich zunächst keinen Reim darauf zu machen, denn wo sollte im winterlichen und von hohem Schnee bedeckten Westerwald ein Weißdornstrauch blühen? Dennoch zog er mit seinen Brüdern tagelang kreuz und quer durch den Hohen Westerwald. Aber vergebens, weder in der Höhe an der Fuchskaute noch in den Tälern konnten sie einen blühenden Weißdornstrauch entdecken. Die Mönche setzten sich daraufhin zusammen und überlegten genauer. „Ein Weißdorn kann eigentlich nur in einer Gegend blühen, wo der Schnee nicht so hoch liegt.“ Mit dieser Überlegung machten sie sich auf den Weg, diesmal Richtung Unterwesterwald und durchkämmten auch dort wieder Berg und Tal. Gerade hatten sie den Flusslauf der wilden Nister erreicht, als Abt Hermann plötzlich wie angewurzelt stehen blieb. Er war so aufgeregt, dass es ihm die Sprache verschlug und er nur mit seinem Finger gen Nister deuten konnte. Jetzt sahen auch die anderen den Weißdornbusch, der dort am Flussufer trotz der Eiseskälte in prachtvoller Blüte stand. Der Abt, der sich mittlerweile wieder gefasst hatte, erklärte seinen Brüdern darauf feierlich: „Dies ist die Stätte Mariens, die sie uns gewiesen hat. Lasst uns hier nunmehr die neue Abtei erbauen und sie zu Ehren der Jungfrau Marienstatt nennen.“ Und sogleich begab sich Hermann mit seinen Brüdern an die Vorbereitungen zum Bau des Klosters.
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